Denken / Technologie

Das offene Web als Uni-Bibliothek

Drüben im Forum von People vs. Algorithms geht es um positive Visionen für das World Wide Web. Hier eine, die realistisch ist und mir gut gefällt:

„The open web is going to always exist in the same way a college library exists. It’s not like it’s beloved and utilized by all students, but those that do use it find deep uses for it. There will always be a human knack to dig in on the primary source of a piece of information, even if it’s buried in a dusty stack in a book that hasn’t been opened since the 1970s. (…) I doubt that deeply human instinct to share knowledge goes away, or just gets contained to a few social media platforms or people who want to yap on cameras for platform clout incentives. The open web is just the ocean that changes with the currents and tides that we all go out to trawl through for our own whatever.“

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Notizblog vom 5. August

Ein neuer Mittwoch.

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Notizblog vom 29. Juli

Ein Mittwoch.

Berlin / Notiz

Auch gute Dinge

Die vergangene Woche war unerfreulich: Der feige CSD-Anschlag (verbunden mit meiner großen Hoffnungslosigkeit, dass der gegenwärtige Islam entpolitisiert und der Islamismus zurückgedrängt werden kann, die sich aus meiner Lektüre von Kim Ghattas‘ „Black Wave“ ergibt… aber dazu ein andernmal mehr); Hakenkreuz-Schmierereien an der Badestelle am Stadtrand. Große und kleine Dinge eben, die einem das Gefühl geben, in einer beginnenden oder gar fortgeschrittenen Dystopie zu leben.

Aber es gibt auch die guten Dinge. Freunde zum Beispiel! Nicht nur, weil wir hier in Berlin den Sommer nutzen, um fast sämtliche Freunde einmal zu treffen (das ist im Winter immer ein bisschen komplexer). Sondern auch, weil ich Freunde habe, die mir ohne zu zögern helfen.

Wenn ich zum Beispiel schreiben würde, dass der gute Ben mir beim Umzug meiner Domains geholfen hat, dann wäre das untertrieben: Er hat ihn quasi komplett abgewickelt. Hätte ich das selber gemacht, hätte ich mir wahrscheinlich zwei freie Tage nehmen müssen (mindestens). Danke, dass Du mich aus den Klauen von Domainfactory/GoDaddy befreit hast!

Freundschaft, gegenseitige Unterstützung, vorurteilsfreie Zwischenmenschlichkeit: Je mehr die KI-isierung der Welt voranschreitet, desto mehr habe ich den Eindruck, dass diese Dinge gerade verloren zu gehen drohen. Kein origineller Take, ich weiß, aber doch vielleicht die gesellschaftlich relevanteste Entwicklung unserer Gegenwart.

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf das kleine Projekt von Doug Hine hinweisen: Zum 100. Geburtstag von Ivan Illich werden am ersten Septemberwochenende weltweit kleine Treffen der Konvivialität stattfinden – formlose Zusammenkünfte von wildfremden Menschen, um gemeinsam zu essen und Zwischenmenschlichkeit zu entfalten.

Im Moment finden sich auf der Veranstaltungskarte weder für Illichs Geburtsland Österreich, noch in Deutschland als Ort seines langjährigen Wirkens Einträge. Ich überlege noch, ob ich für Berlin etwas auf die Beine stelle, aber vielleicht liest ja jemand mit und hatte sowieso mal wieder vor, etwas Schönes, Ungewöhnliches mit Menschen zu organisieren. Lasst uns dafür gerne zusammentun!

 

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Notizblog vom 20. Juli 2026

Der Montag.

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Notizblog vom 19. Juli 2026

Ein Testballon.

Leben

In Portbou (Walter Benjamin)

Monument für Walter Benjamin

Heute jährt sich zum 134. Mal der Geburtstag von Walter Benjamin. Ich hatte im Urlaub jüngst die Gelegenheit, an einem bereits ziemlich warmen Sonntagmorgen Portbou zu besuchen. Das ist jener Grenzort am Fuße der Pyrenäen, an dem sich Benjamin 1940 auf der Flucht das Leben nahm.

Ich kann den Berichten aus dem Havelblog und bei Freibeuter-Reisen gar nicht viel hinzufügen – beide Texte haben mir sehr bei der Vorbereitung des Besuchs geholfen.

Portbou ist wirklich nicht sehr groß und ist von seiner jahrhundertelangen Rolle als Grenzort geprägt, inklusive eines überdimensionierten und heute weitgehend verwaisten Grenzbahnhofs und eines alten Grenzhäuschen auf dem Hügel. Der Weg durch über die steilen Hügel zwischen Banyuls-sur-Mer und Portbou ist inzwischen sogar als Wanderweg nach Benjamin benannt. Genau wie die Bibliothek von Portbou.

Und das ehemalige Hotel, in dessen 1.Stock WB starb, sieht fast noch so aus wie früher. Eine kleine Plakette erinnert an den Toten.

Ehemalige Hotel, in dem Walter Benjamin starb.

Von der Stadt schleppt man sich nur wenige Hundert Meter nach oben Richtung Küste, wo der örtliche Friedhof liegt – und auch der Gedenkort, wie man im Bild ganz oben sieht. Auf dem kleinen Friedhof ist WB irgendwo begraben, aber der genaue Ort ist verloren gegangen. Stattdessen gibt es einen Gedenkstein.

Friedhof von Portbou.

Doch zurück zum Gedenkort „Passagen“. Das Monument des israelischen Bildhauers Dani Karavan besteht aus drei Teilen. Der eindrucksvollste ist sicherlich der Korridor aus Stahl, der zum Meer führt, das man aber nie erreicht.

Gedenkort "Passagen" in Portbou.

Stattdessen trifft man auf eine Glasplatte, auf der steht:

„Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten. Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, G.S. I, 1241“

Man sieht unten einen Meeresstrudel und oben das Tageslicht. Der Weg zurück führt an der Oberfläche allerdings direkt auf eine Mauer zu.

Gedenkort Passagen

Es dauert etwas, die anderen beiden Teile des Monuments zu finden. Ein bisschen versteckt hinter dem Vorplatz führt ein kleiner, felsiger Trampelfad nach oben, auf dem man zunächst auf eine Treppe trifft. Im Blickfeld auf das Meer steht ein Olivenbaum.

Treppe, Gedenkort Passagen

Dann, einige Meter weiter, der dritte Teil: eine eingebettete Plattform aus Stahl. Und ein Zaun. Unverrückbar. Aber wer auf den Stahlwürfel steigt, kann ihn zumindest mit der Perspektive seines Blickes überwinden.

Gedenkort Passagen.

Die Materialien, die Dani Karavan für den Gedenkort angegeben hat: Strudel, Wind, Felsen, Steine, Zypressen, Olivenbaum, Cortenstahl, Zaun, Glas, Text.

Notiz

Neues Theme, neue Microblog-Verwendung

Ich hatte nach dem Urlaub noch etwas Zeit, mit der KI rumzuspielen, die mir gleich ein neues Theme gebastelt hat, das etwas freundlicher als das alte aussieht. Ist aber alles noch Work In Progress.

Nebenbei habe ich mir mit Hilfe besagter KI einen kleinen Traum erfüllt: Ich wollte schon immer eine Aggregationsseite wie Drudge Report machen. Gesagt, getan. Das Resultat sah richtig beschissen aus. Was angesichts der Neunziger-Optik von Druge kein Wunder ist, aber dann doch nicht das verkörpert, was ich gerne hätte.

Also habe ich etwas nachbessern lassen. Das Ergebnis findet sich unter meiner ehemaligen Microblog-Domain micro.kopfzeiler.org: Eine Homepage, auf der ich verlinke, was ich gerade gelesen, gesehen oder gehört habe. So sieht das aus:

Micro.kopfzeiler-Screenshot

Schön schlicht, finde ich .Und in Zeiten, in denen sich das WWW auflöst bzw. von den KI-Bots gefressen wird, macht mir eine die Idee einer neuen kleinen Website diebisch Spaß. Indirekt ist das auch die Fortsetzung dessen, was ich zwischen 2008 und 2016 getwittert habe und auch hier im Blog gerne poste: Gute Links.

Realistischerweise wird die Seite kein Traffic-Hit und auch nicht jeden Tag aktualisiert werden, weshalb ich die Nutzung des RSS-Feeds empfehle.

(Update: Link zum Feed korrigiert)

Horizont

Sommer 2026

Vielleicht ist diese Hitzewelle der Kipppunkt. Der Moment, in dem wir begreifen, dass „Sommer“ nicht mehr Freibad, Spaß und Biergarten bedeutet. Sondern dass die Sommerhitze eine immer größere Gefahr für uns und unsere Infrastruktur wird. Vielleicht aber tun wir den gegenwärtigen Zustand in ein paar Tagen wieder als Ausnahme ab, die sie nicht mehr ist. Jay Springett:

„This shifting baseline is (…) a common source of misunderstanding when talking about climate scenarios/futures in workshops. When people hear that a particular extreme temperature is associated with a future decade like the 2040s or 2080s, they often mistake it for something they should expect on the calendar, like a timetable. They assume the weather will remain roughly normal until we reach those milestones. But climate scenarios alter the odds of an event happening rather than an event being a fixed temporal appointment.“

Hier wird es in den kommenden Wochen erst einmal ruhiger, um nicht zu sagen: Dieses Blog macht eine Pause. Bis Mitte Juli passiert hier nichts.

Typen

Om Malik, Wegbereiter

Als gestern Abend der Newsletter von Om Malik in meinem Postfach landete, habe ich ihn nicht näher beachtet. Ein bis zweimal wöchentlich schickte er seine Beobachtungen und Analysen der Tech-Welt und ihrer Entwicklung. Aus der Bay Area und doch mit der nötigen Distanz. Gerade die langen Texte waren sehr lesenswert, zum Beispiel neulich über die Frage, welche Umsätze eine stabile KI-Adaption zeigen und welche nicht (so gut, dass ich sie auch in meinem Newsletter aufgegriffen habe). Die Lektüre sparte ich mir immer für eine ruhige Minute auf.

In der gestrigen Ausgabe aber stand die Nachricht, dass Om im Alter von 59 Jahren gestorben ist.

Om war ein Pionier des digitalen Tech-Journalismus und verließ als einer der ersten ein etabliertes Medium, um mit seinem eigenen Blog Geld zu verdienen: GigaOm, die älteren Zeitgenossen und -genossinnen kennen es.

Er war wie viele Akteure in der Bay Area jemand, der einerseits Teil des Betriebs war, andererseits die Vorgänge zu reflektieren und nüchtern zu analysieren versuchte. Anders als andere solcher Medienmenschen (Grüße an Josh C., Ex-TC) achtete er immer darauf, einem ethischen Kompass zu folgen, nicht zu hypen, und in den vergangenen Jahren auch klar die moralischen Irrwege der Branche aufzuzeigen.

Ohne Menschen wie Om Malik hätte ich mir in den Nullerjahren vielleicht einen anderen Weg gesucht. Ein einfacheres Thema als Digitalisierung, ein weniger nerdiges. Seine Analysen, seinen kritischen, nüchternen und nicht zuletzt gütigen Ton werde ich hier auf der anderen Seite der Welt vermissen.

Ruhe in Frieden.