
Heute jährt sich zum 134. Mal der Geburtstag von Walter Benjamin. Ich hatte im Urlaub jüngst die Gelegenheit, an einem bereits ziemlich warmen Sonntagmorgen Portbou zu besuchen. Das ist jener Grenzort am Fuße der Pyrenäen, an dem sich Benjamin 1940 auf der Flucht das Leben nahm.
Ich kann den Berichten aus dem Havelblog und bei Freibeuter-Reisen gar nicht viel hinzufügen – beide Texte haben mir sehr bei der Vorbereitung des Besuchs geholfen.
Portbou ist wirklich nicht sehr groß und ist von seiner jahrhundertelangen Rolle als Grenzort geprägt, inklusive eines überdimensionierten und heute weitgehend verwaisten Grenzbahnhofs und eines alten Grenzhäuschen auf dem Hügel. Der Weg durch über die steilen Hügel zwischen Banyuls-sur-Mer und Portbou ist inzwischen sogar als Wanderweg nach Benjamin benannt. Genau wie die Bibliothek von Portbou.
Und das ehemalige Hotel, in dessen 1.Stock WB starb, sieht fast noch so aus wie früher. Eine kleine Plakette erinnert an den Toten.

Von der Stadt schleppt man sich nur wenige Hundert Meter nach oben Richtung Küste, wo der örtliche Friedhof liegt – und auch der Gedenkort, wie man im Bild ganz oben sieht. Auf dem kleinen Friedhof ist WB irgendwo begraben, aber der genaue Ort ist verloren gegangen. Stattdessen gibt es einen Gedenkstein.

Doch zurück zum Gedenkort „Passagen“. Das Monument des israelischen Bildhauers Dani Karavan besteht aus drei Teilen. Der eindrucksvollste ist sicherlich der Korridor aus Stahl, der zum Meer führt, das man aber nie erreicht.

Stattdessen trifft man auf eine Glasplatte, auf der steht:
„Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten. Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, G.S. I, 1241“
Man sieht unten einen Meeresstrudel und oben das Tageslicht. Der Weg zurück führt an der Oberfläche allerdings direkt auf eine Mauer zu.

Es dauert etwas, die anderen beiden Teile des Monuments zu finden. Ein bisschen versteckt hinter dem Vorplatz führt ein kleiner, felsiger Trampelfad nach oben, auf dem man zunächst auf eine Treppe trifft. Im Blickfeld auf das Meer steht ein Olivenbaum.

Dann, einige Meter weiter, der dritte Teil: eine eingebettete Plattform aus Stahl. Und ein Zaun. Unverrückbar. Aber wer auf den Stahlwürfel steigt, kann ihn zumindest mit der Perspektive seines Blickes überwinden.

Die Materialien, die Dani Karavan für den Gedenkort angegeben hat: Strudel, Wind, Felsen, Steine, Zypressen, Olivenbaum, Cortenstahl, Zaun, Glas, Text.