Kurzzeiler: Speer und Er-findungen

Nach einem Artikel der FAZ sind bislang unbekannte Briefe des NS-RüstungsministersAdalbert Speer aufgetaucht. In diesen gibt er gegenüber der Witwe eines belgischen Widerstandskämpfers zu, von der Endlösung in der Judenfrage gewusst zu haben. „Es besteht kein Zweifel. Ich war zugegen, als Himmler am 6. Oktober 1943 ankündigte, dass alle Juden umgebracht werden würden.“, schreibt Speer in einem Brief von 1971.

Zu diesem Zeitpunkt erzählte seine mit der Unterstützung von Joachim Fest veröffentlichte Autobiographie eine ganz andere Geschichte: Speer sei zum Zeitpunkt der Himmler-Rede nicht mehr im Raum gewesen, habe bis zum Ende des Krieges nichts vom Holocaust gewusst. Speer war in den Nürnberger Prozessen zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden, weil ihm keine Mittäterschaft bei der Massenvernichtung nachgewiesen werden konnte. Diese Lüge erhielt er sein Leben lang aufrecht – und formte damit die Mähr vom redlichen Deutschen, der von der Faszination Hitlers verführt dessen Komplize wird, aber im Herzen doch ein guter Mensch ist und vom Holocaust nichts ahnt. Bereits 1999 hatte eine WDR-Dokumentation nachgewiesen, dass Speer von den Vernichtungslagern Kenntnis hatte – und als Rüstungsminister wahrscheinlich sogar die Rekrutierung immer neuer Zwangsarbeitern aus den Lagern vorantrieb.

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