Kommentar: Wenn alte auf neue Medien treffen

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(via wundersames Flickr)

Wenn alte auf neue Medien treffen, bleiben Vorurteile nur selten aus. In seinem Artikel aus dem Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung beschäftigt sich US-Korrespondent Nikolaus Piper mit dem Thema NewAssignment. Nach der Andeutung von diskutierenswerter Kritik kann Piper dann aber doch nicht auf den klassischen Reflex der Mainstream-Medien verzichten: Wer braucht sowas, wer zahlt sowas und was ist das überhaupt für ein Typ, dieser Jay Rosen. Anstatt seinem Artikel eine wohlgeformte Tendenz mit auf den Weg zugeben, hätte der Autor jedoch besser sein Handwerkszeug benutzt.
So schreibt er:

Eigentlich sollte das Portal am 1. April den regulären Betrieb aufnehmen, bisher haben die Nutzer aber immer noch nur Zugriff auf vorläufige Inhalte.
(…)
Tatsächlich ist das Spannendste, was zurzeit auf NewAssignment.Net zu finden ist, eine Debatte zwischen Jay Rosen und dem erfahrenen Washingtoner Korrespondenten John McQuaid über die Zukunft des Journalismus.

Schade, dass Herr Piper auf NewAssignment das gelbe Logo rechts oben übersehen hat, das zum ersten NAN-Projekt „Assignment Zero“ führt. Denn das läuft schon seit Mitte März, inzwischen wirken über 800 Menschen mit – und das alles andere als vorläufig. Eine einfache Suche nach NewAssignment in Technorati hätte wahrscheinlich auch genügt. Dass Piper dann noch als Kritiker Nicholas Leman, Dean der Columbia School for Journalism in New York zitiert, ist auch nicht sonderlich einfallsreich – eher eine sichere Bank, was seine Ansichten zum Citizen Journalism betrifft. Denn dass Leman nichts davon hält, konnte man bereits im August des vergangenen Jahres im New Yorker nachlesen. Dass Pipers Informationen zur Finanzierung des Projekts ebenfalls auf dem Stand des letzten Jahres sind – geschenkt.

Denn bei einem letzten Absatz wie diesem braucht es auch keine Auseinandersetzung mit den Pros und Contras solcher Projekte, können Fragen zur Motivation der Menschen, zur Qualitätskontrolle und dem Umgang der Mainstream-Medien mit dem Thema, wie auch zu den Chancen einer solchen Graswurzel-Bewegung getrost unter dem Teppich verschwinden. Denn Rosen, der ja sogar ein festes Einkommen als Universitätsprofessor erhält (aber ungezogenerweise arme Bürgerjournalisten für sein theorieüberladenes Wolkenkuckucksheim schufften lässt), ist anscheinend eh alles egal:

Was die ökonomische Zukunft des Journalismus betrifft, ist Rosen gelassen. „Werden sich künftig noch Menschen finden, die bereit sind, für journalistische Qualität zu bezahlen?“ fragt der Reporter. Die Antwort: „Das ist Ihr Problem.“

Dass damit gemeint sein könnte, dass die Mainstream-Medien Wege finden müssen, ihr Publikum durch fesselnde, investigative und auch unterhaltsame Geschichten wieder an sich zu binden, versteht Piper anscheinend nicht. Ein erster Ansatz wäre zum Beispiel, seine Hausaufgaben zu machen und Geschichten wie diese richtig zu recherchieren, anstatt dem Leser einen solch halbgaren Klumpatsch in die Zeitung zu drucken.
Das Thema wird auch in den Blogcharts erwähnt, Innovationswings hat zum Thema gehaltvolle Mainstream-Nachrichten auch noch etwas anzumerken.

Disclosure: Ich bin selbst in Assignment Zero involviert – was allerdings kein Grund ist, das Thema nicht kritisch zu beleuchten.

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