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IKB und Transrapid: Ein Nein, besser spät als nie

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Die IKB, nur noch das Granulat einer Bank (Foto via m-louis, Flickr)

Es ist ein Zufall, aber doch ein passender: Am Tag, als aufgebrachte Kleinaktionäre die Hauptversammlung der angeschlagenen IKB zu Düsseldorf in ein gerechtes Chaos stürzen, fallen einige hundert Kilometer weiter südlich die Transrapid-Träume der bayerischen Landesregierung wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Was beide Ereignisse miteinander zu tun haben? Sie zeigen die Grenzen der staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft. Der Transrapid stand schon Anfang der Neunziger auf dem Abstellgleis, als die Bahn mit ihrem ICE eine neue Generation von Passagierzügen das Schienennetz eroberte. Allerdings lag es nicht an der Technologie der Magnetschwebebahn – die ist heute noch aktuell – sondern an den Kosten für die Errichtung der Trasse. Dennoch klammerte sich die Politik an die Idee des “deutschen Exportschlagers der Zukunft“, träumte von rasend schnellen Fahrten von Hamburg nach Berlin, durch das Ruhrgebiet oder an den Münchner Flughafen. Realisiert wurde der Transrapid nur im chinesischen Shanghai, 100 Millionen der 1,2 Milliarden Euro Kosten übernahm dabei die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Rentiert hat sich die Bahn seit ihrer Jungfernfahrt Ende 2003 bislang nicht und dies wird auch langfristig so bleiben. Ein Transrapid in München wäre also irrsinnig gewesen, der verzweifelte Versuch, einer unverkäuflichen deutschen Ingenieurstechnik durch staatliche Subventionen Prestige zu verleihen.

Beim Stichwort Subventionen wären wir auch schon bei der IKB: Auf 8,5 Milliarden Euro (oder 2 ½ Transrapid, siehe auch diese Rechnung) belaufen sich inzwischen die Hilfspakete für die Mittelstandsbank, die maßgeblich vom Staat und der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (wir kennen sie vom Shanghai-Transrapid) geschnürt wurden. Dass die IKB, die sich am US-Immobilienmarkt verspekuliert hatte, immer noch gestützt wird, liegt vor allem an der Angst vor einem möglichen Domino-Effekt. Und hier liegt auch schon der Unterschied: Eine Verbrennung von Steuergeldern stellt, konjunktivisch und real, jeder der beiden Staatseingriffe dar. Doch das Horrorszenario vom möglichen Kollaps der deutschen Bankenlandschaft im vergangenen Sommer ließen die ersten IKB-Hilfen für den Staat alternativlos erscheinen, auch wenn dies die Grundsatzfrage „Wieso blecht der Steuerzahler für Finanzspekulationen“ aufwirft.

Doch alternativlos ist vor allem der Untergang der IKB, wie ein Blick in die „Asset-verseuchten Bilanzen“ erkennnen lässt. Wie heute im Fall Transrapid sollte die Politik merken, dass sie ihr Einfluss auf den Markt begrenzt ist. Sie sollte der relativen Stärke des deutschen Finanzmarkts (davon ausgehend, dass die meisten Leichen im Immobilienkeller schon geborgen wurden) vertrauen, die IKB in die Insolvenz schicken, die KfW einen Teil der Verluste schlucken lassen und gesetzliche Regelungen vorbereiten, die Konsequenzen für solch rücksichtlose Spekulationen vorsehen. Die Lehre aus dem Transrapid-Theater lautet, dass ein entschiedenes „Nein“ besser zu spät als nie kommen sollte.

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