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Jacques Rogge, olympischer Versager

Würde es eine Goldmedaille für grandios gescheiterte Reformer verkommener Verbände geben, Jacques Rogge wäre sie sicher. Der IOC-Präsident sollte die Konsequenzen daraus ziehen.

Jacques Rogge
Gold für Rogge: Das IOC bleibt ein Haufen Corleones. (Foto Andymiah, Flickr)

Sprechen wir nicht über China. Sprechen wir über die Organisation, die 2001 die Olympischen Spiele nach Peking unter dem Vorwand vergab, zu einer Öffnung des Landes beizutragen, aber faktisch nur neue Absatzmärkte für das eigene Produkt suchte. Sprechen wir über das Internationale Olympische Komitee.

Dass wir inzwischen wissen, dass das Sportsbusiness eine widerliche Angelegenheit ist, haben wir dem IOC zu verdanken. Wer sich auf den aktuellen Stand bringen und etwas über ehrenwerte Männer mit Geldkoffern lesen möchte, dem seien die Blogs von Jens Weinreich (den ich für seine aktuelle Olympia-Berichterstattung nicht genug loben kann) und Andrew Jennings empfohlen. Dass sich das Image des Verbands nach der katastrophalen Ära des knüppelharten Paten Juan Antonio Samaranch inzwischen an einem neuen Tiefpunkt befindet, ist auch Ausdruck des Scheiterns des vermeintlichen Reformers Jacques Rogge.

Zwar drängte er amtieren IOC-Präsident seit 2001 Samaranch-Vertraute und –Verwandte aus führenden Positionen des Verbands und propagierte öffentlich stets den Kampf gegen Doping und Korruption, doch die Realität hat aus dem einstigen Hoffnungsträger längst eine beinahe tragische Figur gemacht: Wenn er in Peking vor der Presse die Machtlosigkeit des IOC über Themen wie die chinesischen Einschränkungen für Medienvertreter, die schlechten Umweltbedingungen oder die mäßige Ausstattung des olympischen Dopinglabors (das nicht einmal der Weltantidopingagentur WADA untersteht) herumlaviert, könnte den Beobachter fast Mitleid ereilen.

Könnte. Denn Rogge hat es mit seiner sanften Geheimdiplomatie weder geschafft, das IOC in irgendeine Verhandlugnsposition mit der chinesischen Regierung zu bringen, noch hat er in seiner Organisation nur ansatzweise den Wandel bewirkt, den er bei Amtsantritt einforderte.

Im Gegenteil: Von Transparenz ist nichts zu spüren. Bereits jetzt stehen die Spiele 2008 für die Doppelmoral der Profisport-Industrie, die weiterhin unter dem starken Verdacht steht, flächendeckendes Doping nicht nur zu ignorieren, sondern sogar zu fördern. Die Vergabe der Winterspiele an 2014 an Vladimir Putins Urlaubsort Sotchi macht zudem klar, dass der olympische Gedanke inzwischen ein allzu dünnes Feigenblatt für das Verscherbeln der Austragungsorte an aufstrebende Wirtschaftsnationen ist.

Die olympische Idee wurde in der Neuzeit schon immer gerne ausverkauft. Dass Jacques Rogge diesen Trend nicht stoppen konnte, war abzusehen; dass diese Tendenz sich allerdings sogar noch verstärkt hat, zeigt das Versagen des belgischen IOC-Chefs. Seine verfaulende Organisation kann er nicht mehr retten: Besäße Rogge einen Funken Selbstachtung, würde er dies aussprechen und mit einem Verzicht auf eine zweite Amtszeit ein klares Zeichen setzen. Doch Sportfunktionäre sind selten konsequent: Wahrscheinlich werden wir Monsieur Rogge noch 2014 aus der olympischen Ehrenloge winken sehen.

2 Gedanken zu „Jacques Rogge, olympischer Versager“

  1. Uijuijui. Liegt wohl daran, dass Sport von mir so ernst genommen wird, wie Kasperletheater – aber das habe ich bisher entweder noch gar nicht gewußt, oder so noch nicht gesehen. Danke.

  2. *hüstel* die etwas verspätete Antwort: Gerade beim IOC und bei der FIFA ist Sport immer auch politisch, man denke nur an das Prestige, das Olympische Sommerspiele oder eine Fußball-WM für ein Land bringen. Auch national steckt hinter Sportarten wie Fussek eine enorme Wirtschaftskraft. Die Verbände machen sich das zunutze und produzieren Gestalten wie Herrn Blatter, Herrn Mayer-Dornfelder oder Herrn Samaranch.

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