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Die Katze springt, doch lebt sie noch?

EU und Bundesregierung greifen den Banken unter die Arme. Doch reicht das wirklich, das fragile Finanzmarktgebilde zu erhalten?

Schläft nur, spring bald wieder? (via zamario, Flickr)

Ist heute an den Aktienmärkten die tote Katze hochgesprungen oder liegt der dunkelste Moment der Nacht schon hinter uns? Werden die europäischen Pläne wirken oder haben wir es mit einem mächtigen schwarzen Schwan zu tun, den nichts mehr aufhalten kann?

Noch ist unklar, wie schwer die Verluste aus den Credit Default Swaps wiegen. Am Freitag gab es die erste CDS-Versteigerung, weitere folgen in den nächsten Tagen. Erst wenn die Banken ihre Swaps gegeneinander aufgerechnet haben, kann man mehr sagen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Versicherer und Banken in den nächsten Wochen in arge Schwierigkeiten geraten werden. Dort bereitet man sich nun mit Kapitalsammlungen vor, so hat sich Morgan Stanley gerade eine Kapitalspritze aus Japan geholt, das damit einmal mehr andeutet, dass es der große Gewinner dieser Krise sein könnte (wobei ein hoher Yen nicht unbedingt Medizin für die exportlastige Wirtschaft ist)

In Deutschland bürgt der Staat mit 400 Milliarden Euro für die Banken, mit 80 Milliarden steigt er, wie weiter unten vorgeschlagen, in die angeschlagenen Kreditinstitute ein. Im Idealfall kann sie durch die Aktiendividende dabei sogar irgendwann Geld verdienen. Doch noch ist nicht klar, ob die Summe hoch genug angesetzt ist und nicht ein weiteres Mal der Föderalismus den entscheidenden Bremsklotz darstellt, denn eine Beteiligung ließe die Haushalte der Bundesländer explodieren.

Hinzu kommt, dass sich EU und Bund einige Tricks aus dem Ärmel geschüttelt haben: Durch neue Bilanzierungsregeln können die Banken ihre faulen Aktiva dem unerbittlichen Marktpreis auf dem Papier entziehen, das neue Insolvenzrecht im Unternehmensbereich erinnert mich ein bisschen an die Maßnahmen, die Japans Wirtschaft in den Neunzigern die Zombie-Firmen bescherten (allerdings kommt es hier auf die konkreten Regeln an).

Derartige Kosmetikarbeiten können nur schwer verdedecken, dass die Finanzbranche noch viel mehr Eigenkapital brauchen könnte, als bislang vorgesehen. Der Immobilienmarkt wird weiter darnieder gehen und solange die faulen Kredite weiter unveröffentlicht in und neben den Bilanzen ruhen, ist der Bailout ein (inflationäres) Fass ohne Boden.

Ich bin mir nicht sicher, ob die springende Katze wirklich lebt.

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