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Bildungspolitik, ein Zahlenspiel

Das Ergebnis des Dresdner Gipfels ist enttäuschend: Einmal mehr zeigt sich die Politik unfähig, Bildung in Deutschland zu gestalten, statt zu verwalten. Dabei gebe es reichlich Veränderungsbedarf.
Schule verblödet
Nichts gelernt. (via mkorsakov, Flickr)

Bildung in den Händen von deutschen Politikern ist oft wie Demokratie in den Mündern von Despoten: Gerne ausgerufen und hochgehalten, doch ohne Verbindlichkeit, wenn es um die Praxis geht. Auch der heutige Bildungsgipfel passt ins Bild: Eine magere Absichtserklärung, bis 2015 zehn Prozent der Länderhaushalte in Bildung und Forschung (die drei Prozent für Forschung setzte übrigens schon vor längerer Zeit die EU fest) zu stecken, dazu eine Arbeitsgruppe, die zumindest die Illusion reger Tätigkeit aufrecht erhalten soll.

Wenn die große Koalition die Bildungsrepublik Deutschland nicht modernisieren kann, wem soll es dann gelingen? Neben der SPD schossen dieses Mal auch die CDU-Landesfürsten quer und zeigten einmal mehr, weshalb der Bildungsföderalismus vom ursprünglichen Ziel des Wettbewerbs inzwischen nur noch ein Ausgabenverhinderungsprogramm, oder kurz: ein Ärgernis ist.

Bildung und Forschung sind in den vergangenen Jahrzehnten zur Numerologie geworden: Anstatt auf den Boden der Tatsachen, in die Klassenzimmer und Universitäten zu schauen wird In den Staatsministerien wird in Zahlen gerechnet: Wie sonst könnte man wie Bayern darauf kommen, das G-8 einzuführen, ohne den Stoff zu kürzen? Wieso sonst herrscht in Schulen seit Jahren das Gießkannenprinzip, wo gezielte Programme zur Förderung von Innovationen notwendig wären?
Quoten werden ausgegeben, Ministerialbeauftragte und Schulleiter müssen sie erreichen. Diese Manie führt zu Scheinlösungen: Wie würde es beispielsweise aussehen, wenn der Prozentsatz höherer Schulabschlüsse vergrößert werden sollte? Die Standards würden gesenkt, um die Quote zu erfüllen. Ein konkretes Beispiel der Missinterpretation des Satzes „Bildung für alle“ zeigt aktuell die Zusammenlegung des Zentralabiturs von Berlin und Brandenburg.

Heute wäre die Möglichkeit gewesen, neue Ansätze im Bildungsbereich zu präsentieren. Wichtige Weichenstellung wurden aber einmal mehr nicht getätigt. Spontan fallen mir ein:
– Die Anerkennung der Tatsache, dass Schulen neben einer größeren Anzahl an Lehrern auch ohne Sozialarbeiter und Psychologen nicht mehr auskommen und diese bezahlt werden müssen.
– Förderung und Anreize für den Wettbewerb zwischen Schule, die neue Ideen und unkonventionelle Lehr- und Lernmethoden fördern.
– Ein größerer Praxisbezug der Lehrerausbildung und Universitätspflicht für Frühkind-BetreuerInnen.
– Die Umstellung künftiger Lehrerverträge vom Beamten- zum Angestelltenverhältnis. Frühkindliche Sprachförderung als Voraussetzung für die Einschulung.
– Eine vernünftige Finanzierung der Universitäten, um den Bologna-Prozess praxisbezogener und ausreichend betreut umzusetzen.
– Einen Diskussionsprozess über Sinn und Zweck des Lernens, jenseits des Ökonomisierungsgedankens

All das kostet natürlich Geld. Aber diese Zahlen mögen kurzfristig auf der Ausgabenseite erscheinen – für Deutschland könnten einmal Gold wert sein.

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