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Der Stil von Statthaltern

Auch wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein gern gewähltes Symbol für den Ungeist des Kapitalismus ist: Verheerender agieren die Chefs der ehemaligen Staatsunternehmen Bahn, Telekom und Post.
Josef Ackermann
Nicht der Einzige (via WorldEconomicForum, Flickr)

Josef Ackermann ist eine Emo-Waffe: Auch an gehobenen Stammtischen kann die Erwähnung seines Namens die Emotionen schnell hochkochen lassen. Wer also das nächste Mal Großtante Fridas Kaffeetisch zum Wackeln bringen möchte, dem seien die drei Silben Ak-ker-mann empfohlen.

Nun gibt es am Chef der Deutschen Bank freilich viel auszusetzen. Nicht jeder hierzulande kommt mit seiner offensiven der kalvinistischen Arbeitslehre zurecht, die viel eher in den anglo-amerikanischen Kulturraum als ins beschauliche Deutschland zu passen scheint.

Selbst wenn er mit einem Hauch von moralischer Entrüstung argumentiert und glaubt, Banker müssten sich für die Inanspruchnahme des Rettungspakets “schämen“, steckt dahinter das Kalkül, die Mitbewerber durch diese Stigmatisierung unter Druck zu setzen.
Derlei Taktiken muss man ebenso wenig goutieren wie Victory-Zeichen bei Bereicherungsprozessen, doch Ackermann ist Chef eines Privatunternehmens und damit dem Gesetz und seinen Aktionären verpflichtet. Wer den Rahmen für das Handeln des Schweizers ändern möchte, wende sich also an seinen Bundestagsabgeordneten oder kaufe Aktien der Deutschen Bank.

Es sind meiner Meinung nach weniger die “Ackermänner“ dieses Landes, als die Mehdorns, Zumwinkels und Obermanns, die unseren Gesellschaftsvertrag vor schwere Bewährungsproben stellen. Sie stehen Unternehmen vor, die komplett (Bahn) oder teilweise im Besitz der Bundesrepublik Deutschland und damit des Steuerzahlers sind. Und doch gebären Sie sich nicht, als wären sie sich dieser, ja überhaupt einer Verantwortung bewusst. Im Gegenteil: Die Rücksichtslosigkeit gegenüber und Ausbeutung von Kunden zur Beschleunigung des Börsengangs (Mehdorn), das Abwiegeln und halbherzige Verfolgen von schwerem Missbrauch von Kundendaten (Obermann) oder der absolute Führungskraft-Offenbarungseid durch mutmaßliche Steuerhinterziehung (Zumwinkel) – das alles zeugt von einer Mentalität, die nicht wirtschaftlichen Führungskräften, sondern Statthaltern gemäß ist. Die Führungsetagen der ehemaligen Staatsunternehmen, so hat es den Anschein, sehen sich ihrer Aufgabe zur Gewinnerzielung verpflichtet, gehen dabei aber noch immer vor, als besäßen sie die Freiheiten von Akteuren einer undurchsichtigen Staatsbürokratie.

Der Bundesregierung tut gut daran, die Grundbausteine unternehmerischen Wirkens genau unter die Lupe zu nehmen. Vorher sollte sie allerdings erst einmal überprüfen, wie es um die Grundsätze ihrer ehemaligen Staatskonzerne bestellt ist.

Ein Gedanke zu „Der Stil von Statthaltern“

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