Japans dunkelgraue Zukunft

Die Wirtschaft schrumpft, die Bevölkerung altert: Japan muss sich auf einiges gefasst machen.
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Kein Sonnenaufgang zu erwarten (Foto via reflexer, Flickr)

Ein Griff ins Klo ist noch milde ausgedrückt: Ende 2008 prophezeite ich noch, dass Japan als ein Gewinner aus der Finanzkrise hervorgehen würde. Ein um 3,3 Prozent gesunkenes BIP und angekündigte zusätzliche Haushaltsausgaben von 325 Milliarden Dollar später kann ich diese Voraussage getrost in die Tonne kloppen.

Gründe für düstere Zukunftsaussichten gibt es genug: Eine exportabhängige Wirtschaft, ein schwaches, nicht auf Arbeitslosigkeit vorbereitetes Sozialsystem, korrumpierte Eliten in Politik und Wirtschaft oder die hohe Schuldenlast; Japan wird kein Bein auf die Füße bekommen, bis die Weltwirtschaft anspringt, nicht zuletzt, weil die geplanten Konjunkturhilfen wieder einmal in unnötige Infrastruktur gesteckt zu werden scheinen.

Auf mittlere Sicht ist nicht alles pechschwarz: Die Japaner investieren, ähnlich wie die Deutschen, wenig in den Konsum. Das hat viele Nachteile, unter anderem aber den Vorteil, dass das Land noch eine Zeitlang von seiner Substanz leben kann (und die Privathaushalte vielleicht aufhören, Geld zu horten). Die Banken sind zwar immer noch von der vorherigen Krise angeschlagen, haben aber immerhin kaum in innovative Finanzprodukte investiert; die Wirtschaft besitzt enorm kreative Ressourcen, was sich bei Investitionen in Umwelttechnologien auszahlen würde. Langfristig wird sich Japans Wirtschaft jedoch umstellen müssen, will es nicht von den Krisen der Welt überspült werden; gleichzeitig bedroht die demographische Entwicklung langfristig die Fundamente des Inselstaats.

2 Gedanken zu „Japans dunkelgraue Zukunft“

  1. Was soll das denn? In Konsum INVESTIEREN? Konsum ist definitionsgemäß eine Verwendungsform von Einkommen und erlaubt den Unternehmen ihre Kosten und Investitionen wieder einzuspielen. Wenn aber nun ein träges Konsumklima vorliegt, dann können Unternehmensgewinne natürlich nur aus Investitionen oder Exportüberschüssen resultieren. Das ist ja auch bei Japan der Fall gewesen.

    Jetzt scheint ja irgendwie allenthalben der Blick in der Krise wieder auf dem Konsumenten zu ruhen; warum auch nicht, denn man könnte ja eigentlich auch das eigene BIP selbst „verfuttern“! Der Hänger daran ist, daß man dazu die funktionale Einkommensverteilung zuungunsten der Finanzkapitaleinkommen verändern müßte, was letztlich darauf hinausliefe, die Lohnquote zu erhöhen. (Immer vorausgesetzt, daß die Konsumquote von Lohneinkommen signifikant höher ist als bei Kapitaleinkommen.) Damit ist man aber genau bei der seit langem totgeschwiegenen Frage der Einkommensverteilung angelangt, die ja hier in Deutschland allenfalls von der Linkspartei als gesellschaftlich wichtige Frage definiert und auch angesprochen wird. Die derzeit verfolgte Politik der Stabilisierung der Finanzkapitaleinkommen (und damit auch der Bestände) macht jedoch gerade das nicht, ist also was die Lösung der Finanzkrise angeht geradezu kontraproduktiv. Denn was bedeutet Krise eigentlich? Anpassung der Vermögenswerte an die damit erzielbaren Zahlungsströme. Und genau das ist Kapitalismus!

  2. Die japanischen Börsen sind eigentlich ziemlich billig. Das KGV macht es noch nicht so ganz klar, aber wenn man berücksichtigt, dass Japan die meisten schuldenfreien Unternehmen aller Länder hat, ist der Markt eigentlich zu billig.

    Das habe ich aber auch schon vor einem Jahr gesagt. Wobei man den Nikkei relativieren muss. Die etwa 45% Minus in den letzten 12 Monaten sind in lokaler Währung. Der Euro-Anleger hat „nur“ 25% zu verkraften, weil der Yen so stark gestiegen ist. Im Vergleich zum DAX ist das eine relativ klare Überperformance, von daher wäre ein Investment in japanische Aktien so falsch gar nicht gewesen.

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