G 20: Das Alles-oder-Nichts-Problem

Historischer Befreiungsschlag oder Beschleuniger der Wirtschaftskrise? Die Ergebnisse des G-20-Gipfels sind noch nicht einzuordnen.


Wunschlos glücklich? (via freestyle, Flickr)

Wie sind die Ergebnisse des G-20-Gipfels in London zu bewerten?
Die Obama-Rede versorgt uns mit dem Alles-wird-gut-Gefühl: Wir zahlen unseren Weg aus der Krise und be-zahlen die Rechnung mit späterem Wachstum durch Innovation. Das Alles-wird-schlimm dürfte in den nächsten Stunden von kritischeren Zeitgenossen kommen, die damit rechnen, dass die Maßnahmen nicht ausreichen oder nur eine Blase kreieren, die wieder platzen wird.

Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht, weder heute Abend, noch morgen. Denn die konkreten Ausformulierungen der Abmachungen werden auf sich warten lassen und mühsam nachverhandelt. Die bessere Kontrolle der Finanzmärkte, nicht zuletzt von Paris und Berlin vehement gefordert, ist eine gute Sache – auch wenn es sich nicht um eine Generalüberholung, sondern nur um eine Stabilisierung des Finanzwesens handelt. Wie weit die guten Wünsche reichen, wird sich erweisen, wenn die Wirtschaft wieder wächst und sich wieder Möglichkeiten der Abschwächung durch die Hintertüre ergeben.

Die Ausgaben erhöhen, um das Wachstum anzukurbeln? Klar, aber dann bitte nicht für Autos und Wegwerfgüter. Planloses Wachstum löst keine Probleme, sondern schafft welche, ist aber schneller und einfacher zu generieren. Und wer soll bitte die USA als Großkonsument ablösen? China? Möglich ist das, doch bis dahin ist es ein langer Weg, womöglich ein klimaschädlicher noch dazu.

Der Einfluss des IWF wird wachsen, das ist gut so, denn er wird gebraucht. Zudem werden die internationalen Finanzinstitutionen kein rein westliches Steuerungsmittel für Wohl und Wehe der Weltwirtschaftmehr  sein. Allerdings wächst auch der Einfluss des neuen Big Spenders China. Die Folgen dieser geopolitischen Zeitenwende könnten sich in einem westlichen Schmusekurse zu Peking zeigen, der nebenbei das Heuchlerische der eigenen Werte zu Tage fördert und diese damit mittelfristig erodiert.

War der G-20-Gipfel also ein Erfolg? Wer behauptet, er wisse es, lügt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.