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Teufelswerk vs. Selbstzweck des Fortschritts

Warum wir eine neue Debatte über Gentechnik und Genpatente brauchen.


Und jetzt nochmal in sachlich (via „keeponilluminating_9_11“, Flickr)

Die CSU-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat den Monsanto-Genmais Mon 810 in Deutschland verboten. Auch wenn, wie der heutige Auftritt von Bayerns Umweltminister Markus Söder bei den Schweinezüchter-Protesten in München zeigt, gewaltiges europawahltaktisches Kalkül bei der Entscheidung mitschwingt: Sie ist richtig.

Wir sollten zwei Dinge in der Diskussion trennen: Über den zweifelhaften Ruf Monsantos, die Intransparenz der Firmenpolitik und das abstoßende Geschäftsmodell des sterilen Saatguts gibt es im Netz genug zu lesen.

Gleichzeitig ist allerdings die Gefährlichkeit der Gentechnik ist nicht erwiesen und die Debatte wird nicht zuletzt durch Angst bestimmt. Und dennoch bleiben Fragen: Wissen wir schon genug über die Wechselwirkungen? Welchen Studien können wir vertrauen? Um zu sehen, was der menschliche Eingriff ins Ökosystem bewirkt, sollten wir uns nur die Folgen vor Augen führen, die Europa in den nächsten Jahren durch den Import asiatischer Insekten erwarten könnte (oder einen Blick auf die jüngere Geschichte des australischen Ökosystems werfen).

Für mich überwiegen die Risiken noch für lange Zeit die Vorteile, die es durchaus geben könnte. Im 21. Jahrhundert darf technischer Fortschritt dennoch nicht als Teufelswerk gebrandmarkt werden – er darf aber auch nicht als Selbstzweck fungieren. Wir brauchen eine neue, offene Debatte über gentechnisch veränderte Lebensmittel, und zwar transparent und ohne durch die EU geschaffene Fakten und schädlichen Wirtschaftspatriotismus (denn bei einem BASF-Patent hätte die Landwirtschaftsministerin sicherlich anders entschieden)

Gleichzeitig sollten wir darüber hinaus eine andere Praxis nicht vergessen, die ich für weit folgenreicher halte: Das Patentieren von menschlichen und tierischen Gensequenzen. Darüber wurde, im Gegensatz zum Genfood, bisher noch kaum gesprochen.

3 Gedanken zu „Teufelswerk vs. Selbstzweck des Fortschritts“

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