Die Qual der Sozi-Wahl

Zumindest für Taktiker.

Wahlzettel
Wo steht Willy Brandt? (via fxp)

Lassen wir einmal das Programmatische weg und bewegen uns in Richtung des taktischen Wählens. Diese Art der Stimmabgabe wird nach dem Ergebnis der Europawahl immer wichtiger, gibt es doch einige Anzeichen, dass das Pendel im Moment in Richtung Schwarz-Gelb schlägt. Wir werden deshalb von den anderen großen Parteien in den nächsten Monaten ein Crescendo des “wehe, wenn“ erleben.

Gerade die SPD dürfte mit der Angst vor Schwarz-Gelb massiv zu punkten versuchen. Dabei gibt es nur ein Problem: Stimme ich bei der Bundestagswahl für die SPD, um ein CDSU-FDP-Bündnis zu verhindern, wähle ich Deutschland damit möglicherweise direkt in die zweite Legislaturperiode Große Koalition hinein. Und dieser Perspektive wohnt nun wirklich keinerlei Schönheit inne. So könnten Teile der linken Mitte dieses Mal der Grünen ihre Stimme geben, damit diese eine „konstruktive Opposition“ verwirklichen.

Ihren Mangel an Bündnisoptionen kann die SPD erst in der Opposition beheben, will sie sich nicht durch ein rot-rot-grünes Bündnis in weiten Teilen Westdeutschlands unglaubwürdig machen. Ein kleiner Trost: Auch die Merkel-CDU ist programmatisch und personell ausgelaugt und weit weg von der Basis, da mag sie aktuell noch so viele Wahlen gewinnen. Die Post-Schröder-Ära der SPD steht der Kanzlerinnen-Union noch bevor. Es dürfte ein ähnlich schmerzhafter Prozess werden, denn bereits heute lässt sich kaum feststellen, was den Konservativismus der Union ausmachen soll.

4 Gedanken zu „<span class='p-name'>Die Qual der Sozi-Wahl</span>“

  1. Das ist ja mal eine interessante Einschätzung (weil sie sich mit meiner deckt).

    Jeder, der die SPD heute totsagt, hat noch nicht kapiert, dass die SPD jede Menge Koalitionsmöglichkeiten hat und die CDU nur wenige. Was man aber nie unterschätzen darf, ist das Machtstreben der Union. Während die SPD die neuen Koalitionsmöglichkeiten nur in einer Opposition (die sich ja erfahrungsgemäß über mehr als eine Legislaturperiode erstreckt) ausklamüsern kann, schafft die Union dass im Zweifelsfall auch in 8 Wochen Koalitionsverhandlungen nach der Wahl. Und die FDP sowieso 😉

  2. Ja. Als es für mich als Politikverdrossenen nicht schon schlimm genug, zur Wahl zu gehen, jetzt auch noch das. Neben den Grünen stehen für mich ja auch noch die Linke und die Piraten zur Wahl …

  3. @Egghat: Spannend finde ich im Rahmen der Koalitionsoptionen deshalb die Grünen: Rot-Rot-Grün und Jamaika sind an den entgegengesetzten Enden des Spektrums – und doch ist 2013 aus heutiger Sicht beides möglich. Wobei für Bündnisse mit der Union der grünen Basis noch Erfahrungswerte aus den Landesregierungen fehlen.
    PS: Dass Schäuble dem nächsten Kabinett wahrscheinlich nicht mehr angehören wird, ist in dieser Hinsicht taktisch klug. Ich schätze, Merkel wird selbst in einer Großen Koalition deutlich progressivere CDU-Mitglieder an den Kabinettstisch setzen, um spätestens 2013 neben der FDP theoretisch auch die Grünen als möglichen Partner gewinnen zu können. Was die Basis davon hält…siehe oben.

    @ ben_: Ich hege wie bei jedem Hype auch bei der aktuellen Berichterstattung über die Piratenpartei meine Zweifel. Ich gehe davon aus, dass einige progressive Positionen mittelfristig von den Grünen, der FDP und (wenn sie schlau ist) der Linken adaptiert werden. Sie wird also eher als Katalysator wirken (was ja an sich positiv ist).

  4. die stimmzettel werden ja leider auch immer unübersichtlicher!

    ich hoffe nur, dass sie sie übersichtlich ist, dass jeder sein kreuz auch da setzt wo er es hin will.

    ich wäre mal für was neues – change (jamaika wäre doch mal nett – parties und feiern oder habe ich da was falsch verstanden 😉 )

    gruss
    eachtradingday

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