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Berlin ist nicht Manhattan

Weshalb die Mediaspree ein Eigentor wäre.
Spree
Wem gehört das Wasser, wem gehört das Ufer? (via Sonkran, Flickr)

Gentrifizierung ist nicht per se negativ: Ohne eine Durchmischung des Wohnpublikums würde heute niemand einen Fuß auf St. Pauli setzen, in Berlin-Neukölln würden wahrscheinlich bürgerkriegsartige Zustände herrschen.

Doch Gentrifizierung ist auch nicht so erstrebenswert, wie Investoren und Stadträte dies gerne behaupten. Ihr Problem ist, dass sie sich in der jüngeren Vergangenheit meist unkontrolliert und rücksichtslos Bahn brach. Wer sehen möchte, wie die Exzesse des billigen Geldes einer Gegend ihre Seele nehmen, sollte sich in Hamburg die Architektur zwischen Hopfenstraße und Bernhard-Nocht-Straße ansehen. Heute gehen in Berlin viele Friedrichshainer wie ich auf die Straße, um ein anderes umstrittenes Projekt zu verhindern: die Mediaspree.

Die Teilnehmer und betroffenen Läden kann man nicht über einen Kamm scheren: Von der tatsächlichen Subkultur bis zum Junior-Kapitalismus mit alternativem Anstrich findet sich entlang des Ufers alles. Was sie vereint, ist die Tatsache, dass es um mehr als ein paar Bauprojekte geht: Es geht darum, wie Stadtplanung künftig gestaltet werden soll.

Und hier scheint sich Berlin, wie es  in dieser Stadt Tradition ist, ins eigene Bein zu schießen: Orte wie das Cassiopeia, der Oststrand, das SO36 (nicht direkt von den Plänen betroffen, sondern anderweitig bedroht) oder die Maria machen den Charme dieser Stadt aus. Der Neubebauung würden sie zum Opfer fallen. Ein Großteil der jüngeren Besucher kommt aber eben nicht wegen Brandenburger Tor und Hackeschen Höfen hierher. Junge, gut ausgebildete Menschen wie ich werden nicht in die Hauptstadt ziehen, weil sie in einem Glashochhaus mit Spreeblick arbeiten können.

Das Zurückdrängen alternativer Lebensformen ist in Berlin schon seit Jahrzehnten Thema. Hier geht es aber auch um etwas anderes: Geben Senat und Bezirk für das schnelle Geld die Möglichkeit aus der Hand, die Planung für städtische und innenstadtnahe Gebiete in den nächsten Jahrzehnten aktiv zu gestalten, sie nach den urbanen Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts auszurichten?

Fragt doch mal in verbauten Metropolen wie London oder Paris nach: Um die Chance, die Entwicklung einer Stadt in einer so späten Phase der Urbanisierung noch organisch gestalten zu können, beneidet man Euch dort. Berlin wird nie Manhattan oder München. Die Verantwortlichen sollten begreifen, dass das der größte Vorteil ist, den diese Stadt im Moment hat.

2 Gedanken zu „Berlin ist nicht Manhattan“

  1. Hey Joha,

    Du bist ja schon een echter Berliner jeworden in der kurzen Zeit. Muss ja echt doll sein da in Fhain! 🙂

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