Was macht eigentlich…Pakistan?


Friedlich, doch wie lange: Islamabad bei Nacht (via Yasirhussain, Flickr)

Alle reden von Afghanistan, mit Recht (ich würde auch, hätte ich mehr Zeit). Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass auch in der Entwicklung des Nachbarn Pakistan eine entscheidende Phase beginnt.

Das Militär bereitet sich gerade auf eine Offensive in Süd-Warziristan vor, um die Taliban von dort zu vertreiben. Die dürften davon wenig begeistert sein, die nächsten Wochen wird das Land wahrscheinlich durch Nachrichten von Selbstmordattentaten wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken.

Doch es ist nicht nur die Gegenwehr der radikalen Kräfte, die Sorgen macht. Es sind ausgerechnet die Verbündeten aus den USA, die innerhalb weniger Tage wiederholt das fragile Miteinander von Militär, Mehrheit des Volkes und politischer Führung durcheinander bringen. Zum einen plant die US-Regierung eine neue Botschaft in Islamabad für rund 1.000 Mitarbeiter, unter ihnen Angehörige des US-Militärunternehmens DynCorp. Damit einher gehen Berichte, dass bereits heute Sicherheitskräfte der umstrittenen amerikanischen Söldnerfirma Blackwater in Pakistan tätig sind.

Auch das vom US-Senat verabschiedete Hilfspaket für Pakistan ist in Islamabad heftig umstritten, vor allem nicht beim einflussreichen Militär. Mit dem Versprechen von 1,5 Milliarden Dollar jährlich geht die Bedingung einher, dass der amerikanische Außenminister dem Kongress alle sechs Monate berichten muss, ob die Zivilregierung das Militär tatsächlich unter Kontrolle hat.

Auch wenn diese Maßnahmen des „Nation Building“ aus westlicher Sicht sinnvoll scheinen, ist das Timing äußerst schlecht: Die Zardari-Regierung ist äußerst schwach und bei der Bevölkerung unbeliebt; das Militär fühlt sich nun betrogen, weil es mit der Offensive gegen die Taliban in den vergangenen Monaten einen großen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheitslage beigetragen hat und als Dank dafür sicherlich keine Macht abgeben möchte. Allerdings ist unklar, inwieweit hohe Militärs einige Promi-Taliban im Land decken und die Jagd auf sie sabotieren. Die Angriffe durch US-Drohnen haben zwar einige führende Taliban-Mitglieder getötet, diese Einsätze sind jedoch (wie in Afghanistan) Militär und Bevölkerung verhasst, weil sie das Souveränitätsgefühl des Landes verletzen.

Hinzu kommt, dass die Abrüstungspolitik von Barack Obama die Fantasien der Pakistanis anheizt: Sie spekulieren, ob der wachsende Einfluss nicht dazu dienen soll, den Amerikanern Zugriff auf die Atomwaffen des Landes zu verschaffen. Dieses gefährliche Gerücht dürfte sich noch lange halten und den Volkszorn auf die Zardari-Regierung lenken, die sich immer mehr in die Rolle von US-Marionetten gedrängt sieht. Und dies nicht einmal zu Unrecht.

Noch schweißt die Angst vor einer Einflusszone der Taliban, die über einzelne Regionen hinausgeht, Militär und Regierung zusammen. Mittelfristig droht Pakistan aber, wie so oft, ein weiterer Militärputsch.

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