Was ist Armut?

Ein paar unsortierte  Gedanken zum Thema, inspiriert von der BBC-Reihe „A Dollar a Day„.

Slum in Kenia (Foto: Claire_Murphy_18,Flickr)

Slum in Kenia (Foto: Claire_Murphy_18,Flickr)

In Deutschland gilt als relativ arm, wer monatlich weniger als 60 Prozent des Durchschnittsnettoeinkommens zur Verfügung hat.  Das waren im Jahre 2008 genau 781 Euro pro Monat.

International gilt als absolut arm, wer von weniger als einem Dollar am Tag leben muss. In Deutschland sind nach Regierungsangaben 13 Prozent der Menschen von Armut bedroht, weltweit leben etwa eine Milliarde Menschen von weniger als einem Dollar am Tag.

Dieser Zahlensalat zeigt, dass in der Armutsdebatte etwas gewaltig schiefläuft. So wenig 780 Euro pro Monat in Deutschland dazu führen, dass Menschen auf der Straße leben müssen (was viele Menschen dennoch tun), so wenig ermöglichen es zwei Dollar am Tag einem Asiaten oder Afrikaner zwangsläufig, von der Straße wegzukommen und seine Familie zu ernähren.

Armut eine Angelegenheit, die weit über die materiellen Aspekte hinausgeht:   In westlichen Ländern kann die Angst, in Armut zu leben, eventuell einen psychischen Effekt haben, der dem bei der tatsächlichen Armut gleichkommt. In Entwicklungsländern ist es manchmal möglich, der Armut zu entkommen, doch wegen des fehlenden sozialen Netzes kann der Weg auch sehr schnell dahin zurückführen.

Vielleicht sollte der Armutsbegriff anders definiert werden, damit wir das Problem richtig angehen können: Ein Armutsindex könnte Punkte wie den Ausschluss von der Teilhabe an dem gesellschaftlichen Leben, mangelnde Perspektiven, fehlenden Zugang zu Bildung aufnehmen, denn sie sind nicht nur Symptome, sie sind Armut selbst. Nur Bildung kann Menschen im Idealfall von dem oben beschrieben Auf und Ab befreien: Von dieser Warte aus gesehen ist der relative Wohlstandsanstieg Chinas nicht so nachhaltig, wie er aussehen mag (Stichwort Wanderarbeiter in Krisenzeiten). Und: Wenn wir sehen, wie die Exklusion des deutschen Bildungswesen Perspektivlosigkeit sozial zementiert, erwartet uns ein Armutsproblem, das gigantischer ist, als wir es uns vorstellen können. Oder ist, wenn wir uns umgucken, das Problem vielleicht schon akut?

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