Kongo: UN-Mission ohne Frieden

Monuc-Soldat im Kongo: Mittendrin im Krieg (Foto: UN Photo, CC)

Monuc-Soldat im Kongo: Mittendrin im Krieg (Foto: UN Photo, CC)

Es ist eine perverse Situation im Osten des Kongo, doch an Perversitäten haben wir uns bei Nachrichten aus diesem Land schon gewöhnt: Gold im Wert von mehr als einer Milliarde Euro schmuggeln Rebellengruppen wie der ruandischen Splittergrupe FDLR jährlich aus dem Land, oft in Minen von Kinderhänden gefördert. Die Waffen, um diese Geschäfte zu schützen, erhalten die Gruppen von der kongolesischen Armee, die solche Aktivitäten eigentlich bekämpfen sollte, wie ein UN-Report jüngst nachzeichnete.

Dem Netzwerk gehören Hunderte an, von Geschäftsleuten in aller Welt bis zu Regierungsangehörigen aus dem Nachbarländern. Vermutlich mittendrin sind die beiden in Deutschland lebenden Führer der Hutu-Miliz FDLR, Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni, die vor einigen Wochen nach langen Ermittlungen verhaftet wurden.

Mittendrin stecken auch die Vereinten Nationen: 17.000 Soldaten sind im Land im Rahmen der MONUC-Friedensmission stationiert. Doch ob sie dort wirklich für Sicherheit und Frieden sorgen können, ist zumindest in den heftig umkämpften Gebieten fraglich – nicht nur, weil viele Teilnehmerländer wie Indien und Pakistan keine ausgebildeten Soldaten schicken.  Aus der Zivilbevölkerung gibt es Vorwürfe der unterlassenen Hilfeleistung, auch über die Kriegsverbrechen der kongolesischen Armee während der Offensive gegen die FDLR im Frühjahr wird immer mehr bekannt. Human Rights Watch berichtet über ein Massaker der kongolesischen Armee an 270 Zivilisten, unter anderem ist von Enthauptungen die Rede. Die UN hatten sich an der Offensive beteiligt, obwohl sie nach Informationen der New York Times gewarnt wurden, dass sie damit indirekt Menschenrechtsverletzungen unterstützen könnten.

In wenigen Wochen muss der UN-Sicherheitsrat über eine Verlängerung des MONUC-Mandats und damit über eine Situation entscheiden, die weit komplexer als die in Afghanistan ist. Frieden wird es auf absehbare Zeit nicht geben: Die FDLR hat viele Gegenden, aus denen sie im Frühjahr vertrieben wurde, inzwischen wieder zurückerobert, zudem profitieren die Geschäftemacher aus den Nachbarländern von der Instabilität im Lande und tragen ihrerseits dazu bei, dass die Lage weiter unübersichtlich bleibt. Im Nordwesten hat sich inzwischen eine neue Bewegung gegen Präsident Kabila gebildet, die ihn mit Waffengewalt entmachten möchte und erste militärische Erfolge erzielen konnte. Kabila selbst baut den Staat derweil zu einem autokratischen Regime um.

Ein Rückzug würde einen brutalen Krieg in der Region zur Folge haben, hunderttausende Tote wären zu beklagen. Wenn die Vereinten Nationen Kabila und seine Armee weiterhin unterstützen, tragen sie Mitschuld an Menschenrechtsverstößen: Die kongolesische Armee besitzt weder moralische Codes, noch müssen die Soldaten befürchten, für Kriegsverbrechen belangt zu werden. Viele Soldaten sind zudem ehemalige Rebellen, die mit Militärjobs zum Seitenwechsel überredet wurden.

Die größte UN-Mission aller Zeiten zeigt, wie die Vereinten Nationen in Afrika zwischen den Interessen zerrieben werden. Von Friedensmission sollte niemand mehr reden.

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