Spanien und das Euro-Domino

Wie gefährdet ist der Euro?

Spanien Torero

(Foto via Paolo Sammicheli, Flickr, CC)

„Game over für den Euro“ titelt Weissgarnix drüben und für seine These gibt es durchaus gute Argumente: Der Rettungsschirm für Irland hat die Lage kaum entspannt, die Politik kann die Psychologie des Marktes längst nicht mehr lenken (wer hätte jemals gedacht, dass dies funktionieren würde?).

Das Szenario sieht so aus, dass neben Portugal auch Spanien finanzielle Hilfe benötigt und spätestens da die Grenzen der Belastbarkeit der Euro-Zone erreicht sind. Deutschland und ein paar andere wenige weigern sich daraufhin, diese Last zu schultern und treten aus der Währungsunion aus.

Auf einer semantischen Ebene interessant ist, dass „die Märkte“, die für den Zusammenbruch des Finanzsystems verantwortlich gemacht werden, nun nicht an die heilenden Kräfte einer politischen Intervention glauben. Oder kurz: Im neuen Kasino wird um Staatsanleihen gezockt.

Die Frage ist, wie realistisch ein solches Euro-Exit-Szenario ist: Weissgarnix weißt mit Recht darauf hin, dass Wachstumsperspektiven derzeit in fast allen Euro-Ländern fehlen. Der Economist schlägt in seiner aktuellen Ausgabe Spanien deshalb die üblichen Mittel vor: Rentenalter anheben, Bürokratie abbauen, etc. Das ändert aber nichts daran, dass die spanische Wirtschaft in den vergangenen Jahren vor allem vom Immobilienbau lebte und ich derzeit keinen Sektor sehe, der die Wirtschaft ankurbelt (es fehlt schlicht auch an Liquidität), geschweige denn einen zukunftsfähigen Binnenkonsum.

Es ist durchaus möglich, dass sich die Euro-Zone ins Verderben spart, weil paradoxerweise (ein Paradoxon, das bei näherem Hingucken ganz natürlich ist) mit jeder neuen Stufe der Krise der notwendige Schritt einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung unwahrscheinlicher wird.

Mit dem Ende des Euro wäre nicht das Ende der Welt gekommen – immerhin hätten die jetzigen Euro-Länder wieder die Option der Währungsabwertung. Allerdings ist damit das europäische Projekt gefährdet, das den Kontinent immerhin eine bis dato ungekannte Friedenszeit beschert. Ebenso bedenklich ist, dass in der EU und den USA auf absehbare Zeit Wachstumsimpulse fehlen. Es könnte durchaus sein, dass wir von einer Krise sprechen, die bis zum Jahr 2015 andauern wird – politische Instabilitäten inklusive.

Update: Beim Wirtschaftswurm findet sich eine knackige Analyse, inklusive einer übersichtlichen Tabelle mit den Wachstumsprognosen für die Euro-Länder.

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