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2010 – die Liste

Es ist schon eine kopfzeiler’sche Tradition, jedes Jahr eine Liste zusammenzustellen (siehe 2007, 2008, 2009). Lasst uns kurz vor 2011 also zur Sache kommen. Nach dem obligatorischen Feuerwerksbild.

Feuerwerk!!

Obligatorisches Feuerwerksbild (via Aslakr, Flickr, CC)

Thema des Jahres: Die Eurokrise
Wer hätte gedacht, dass das Prestigeprojekt des friedlichen Europa einmal so beschädigt würde: Erst Griechenland, dann Irland, als nächstes Spanien und Portugal? Neben der Fehlkonstruktion, unterschiedliche Wirtschaftsräume ohne gemeinsame Wirtschafts- und Steuerpolitik unter einen Hut zu stecken, war es auch politisches Versagen, das den Euro geschwächt hat – man denke an das Hin- und Her der Merkel-Regierung rund um die Hilfen für Griechenland und den Haircut, das die Bürgschaften um einige Hundert Millionen Euro teurer macht. Im Moment ist es schwer, eine Prognose abzugeben. Ein Ende des Euro sehe ich noch nicht, da die Abwicklung – wie geordnet auch immer – den beteiligten Volkswirtschaften kurzfristig teuer zu stehen kommen würde.

Person des Jahres: Julian Assange
Er ist kein Held und scheint mir ein recht seltsames Welt- und Frauenbild zu pflegen. Dennoch hat der Wikileaks-Kopf es geschafft, Publizistik und Geschichtsschreibung nachhaltig zu verändern. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass ohne die vermeintliche Quelle Bradley Manning sämtliche schlagzeilenträchtige Enthüllungen über die US-Politik nicht möglich gewesen wären. Assanges Schicksal mag ungewiss sein, das Wikileaks-Prinzip wird bleiben.

Ignorierte Ereignisse 2010

Massenvergewaltigungen im Kongo
-die Entwicklungen im Irak
-Arabische Länder vor Generationsumbruch in den Herrscherfamilien (Ägypten, Saudi-Arabien)
-weitere Entfremdung zwischen Indien und China
-Pakistan umwirbt Afghanistan
-Sudan vor dem Unabhängigkeitsreferendum
-Erdbeben und Haiti und Ölpest im Golf von Mexiko, wie sieht es heute aus? (teilweise)
Terror im Kaukasus

Bester Journalismus 2010
-jedes Porträt, das Holger Gertz für die Seite 3 der SZ geschrieben hat (Töpperwien, Dietl etc.)
Wolfgang Uchatius: Das Welthemd (Die ZEIT)
Jose Antonio Vargas: The Face of Facebook (New Yorker)
Ben McGrath: Search and Destroy (New Yorker)
-William Yardley: Young Soldier Borth Revered and Reviled (New York Times)
Eliot Weinberger: Damn right, I said (London Review of Books)
Niklas Hofmann: Der Gegenverschwörer (Süddeutsche Zeitung)
Christian Bangel: Suche nach dem Sinn (ZEIT ONLINE)

Blogs des Jahres 2010

Sophia Mandelbaums beeindruckende Wortkraft.
David McCandless, der Datenvisualisierer und -visionär von Informationisbeautiful
Die postliberalen Ansichtspostkarten in Burke’s Corner

Kleine Randnotiz: Blogs mögen jenseits von Tumblr oder Soup derzeit eher dahindarben, ich persönlich freue mich sehr, mit Songdestages.de und Bloggertramp Zuwachs in der Blogfamilie bekommen zu haben.

Prognosen für 2011

-weiter Euro-Verunsicherung und letztlich Eurobonds
-wirtschaftliche Erholung auf schwachem Niveau (EU), kaum messbare Erholung in USA. Stabile Wachstumsraten in Asien und Lateinamerika.
-Schwarz-Gelb verliert Baden-Württemberg, die FDP ihren Parteivorsitzenden und Angela Merkel weiter an Boden
-Landesbanken-Fusionen werden doch noch durchgewunken
-Das Unabhängigkeitsreferendum im Sudan wird zur rechtlichen Hängepartie, inklusive von Gefechten
-Gamal Mubarak tritt statt seines kranken Vaters zur ägyptischen Präsidentschaftswahl an
-Spaniens Regierung zerbricht, während die Wirtschaft weiter unter Druck steht
-heftige Proteste in Großbritannien gegen die Kürzungen der Regierung
-Bürgerbewegung gegen Berlusconi in Italien
-Regierungskrise und kurzzeitige politische Instabilität in Pakistan

Wie waren die Prognosen für 2010?

Richtig lag ich bei:
-Gordon Brown verliert, Zukunft des Euro ungewiss, Republikaner gewinnen Midterm-Wahlen, Betrug bei Irak-Wahlen, noch mehr konservativer Populismus in Frankreich, Proteste in Iran bleiben folgenlos
Falsch lag ich bei:
Pakistans Präsident Asif Zardari muss gehen

Allen Lesern ein gesundes und spannendes 2011!

2 Gedanken zu „2010 – die Liste“

  1. Vielen Dank (für die guten Wünsche und für alle Blogs) Auch Ihnen ein gutes und in aller Gelassenheit spannendes 2011.

    Herzlichst
    hardob

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