Warum der 11. Februar (auch) historisch ist

Palindrome, Revolutionen und eine neue Form der Produktion.

RepRap

Die Zukunft beginnt jetzt (Foto: Bre Pettis, Flickr, CC)

Was für ein bemerkenswerter 11.02.2011: Ein Datum, das von vorne wie von hinten lesbar ist!

Nebenbei ist auch noch Hosni Mubarak zurückgetreten und hat den Weg frei gemacht für eine ägyptische Zukunft. Wir sollten allerdings vorsichtig mit Prognosen sein, wie diese aussehen wird. Eine Militärregierung ist eine Militärregierung und ein Übergang zu einer wie auch immer gearteten Demokratie funktioniert nicht innerhalb weniger Monate, zumal in einer Zeit der wirtschaftlichen Krisen rund um die Welt. Entscheidend wird es sein, ob es gelingt, der Revolutionsgeneration eine ökonomische Perspektive zu bieten. Und auch der Friedensvertrag mit Israel steht auf dem Prüfstand – eine Kündigung würde für den Nahen Osten unabsehbare Konsequenzen haben.

Der 11. Februar ist allerdings für mich noch aus einem anderen Grund als dem Aufstand der Ägypter historisch: Am Freitag hat der Economist – und damit meines Wissens nach das erste große Mainstream-Magazin – die Technik des 3-D-Drucks auf seine Titelseite gehoben und damit wahrscheinlich endgültig in die MSM gebracht.

Ich bin begeistert, dass der Economist das Thema so groß fährt und kann dem Tenor nur zustimmen: 3-D-Printing wird die Produktion von Waren revolutionieren wie einst das Fließband, und ich träume von einem Zeitalter der Massenkollaboration statt des Massenkonsums, vorausgesetzt, das Urheberrecht ändert sich in dieser Hinsicht.

Auf den zweiten Blick ist das natürlich etwas naiv und wie immer liefern die Kommentare unter dem Economist-Leitartikel sehr gute Hinweise auf mögliche Folgen der Technik, die auch negativ sein können:

-3-D-Drucker können an sich erst einmal nur „dumme Objekte“ aus Glas, Metall, Keramik etc. bauen. Für die elektronischen Komponenten braucht es Bausätze, die wiederum nicht ganz so einfach für jedermann zusammenzusetzen sind. Allerdings dürften das Kinderkrankheiten sein.

-mögliche Folgen für die Weltwirtschaft: Sinkende Umweltbelastung durch sinkende Transportkosten, aber auch eine weitere Automatisierung und Spezialisierung, die bestimmte Tätigkeiten und Millionen ungelernter Arbeiter überflüssig machen wird (ein Grund mehr, sich endlich einmal ernsthaft mit den Folgen einer postindustriellen Gesellschaft auseinanderzusetzen). Ich warte auf die erste Studie, in der die weltwirtschaftlichen Folgen der Technik ausgerechnet werden.

-wie verändert sich unsere Einstellung gegenüber Handarbeit, wenn wir plötzlich beim Produktionsprozess dabei sein können? Ich tippe eher, dass handgefertigte Produkte im Wert steigen werden.

-wird 3-D-Technologie wirklich die Massenproduktion ersetzen können oder wird es eher darum gehen, dass Produkte maßgeschneidert für bestimmte Bedürfnisse erschaffen werden können. Und bedeutet das, dass sich unsere Wegwerfkultur verstärkt?

Ich habe noch zwei Videos angehängt: Eines gibt eine Einführung in das Thema (auch im Bezug auf den RepRap, also ein 3-D-Drucker, der sich selbst kopiert), das zweite zeigt, wie bereits jetzt Schuhe mit 3-D-Printern maßgeschneidert hergestellt werden können.


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