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Zu Fukushima

Fukushima im TV

Mahnmal mit Gefahrenpotential (via Xeni, Flickr, CC)

Ich habe mich lange zurückgehalten mit ausführlichen Meinungen zu Fukushima. Auf der einen Seite hatte ich schlicht zu wenig Zeit, auf der anderen Seite war eine sachliche Bewertung der Lage überhaupt nicht möglich.

Eine solche Bewertung kann ich als Laie auch garnicht geben, nur einige Gedanken, die vor allem mit Wahrnehmungen zu tun haben. So stark Tepco kritisiert wird, aus eigener Sicht macht das Unternehmen eine angemessene PR: Welcher interessierte Mensch wüsste schon auf die Frage nach den Folgen und immer noch bestehenden Gefahren für die beschädigten Reaktoren eine Antwort? War Fukushima am Anfang ein Stochern im Ungewissen, eine ständige Nachrichtenflut trotz dürrer Informationen, wird nun ausgerechnet in den nächsten Monaten, in denen das ganze Ausmaß sich langsam herauskristallisiert, eine Sättigung eintreten (ein Beispiel für Enthüllungen, die untergehen, ist dieses schöne Stück aus der NYTimes).

Wir müssen Fukushima sowieso in einem größeren zeitlichen Kontext sehen, nicht nur wegen der Halbwertszeit. Bis die Anlage gesichert ist, wird es wahrscheinlich mindestens noch bis Ende des Jahres dauern (und da reden wir von einem Szenario ohne Zwischenfälle und Kernschmelze); bis die Brennstäbe abkühlen, einige Jahre. Dann werden wir vielleicht auch wissen, wie viele Arbeiter an den Folgen der Strahlung tödlich erkranken werden, wie sich die Krebsrate entwickelt.

Fukushima ist kein Tschernobyl. Was wäre passiert, wäre Tschernobyl im Zeitalter der totalvernetzten Kommunikation passiert? Umgekehrt: Wieso ist es dennoch so einfach, den Informationsstrom so zu kontrollieren wie es Tepco und die japanische Regierung getan haben? Wird im Laufe der Geschichte das Wahrnehmungsbild dieser Katastrophe synchronisiert und wie sieht es dann aus? Wie werden die Japaner die Ereignisse bewerten, wird dies Einfluss auf das Selbstverständnis Japans und der fortschrittsgläubigen Menschheit an sich haben?

Es gäbe viel zu schreiben, auch im Hinblick auf Unglückswahrnehmung der inzwischen fast vergessene menschgemachten Katastrophe der Deepwater Horizon. Doch erst die Zeit wird uns die Worte geben.

4 Gedanken zu „Zu Fukushima“

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