Fukushima: Wahrheit ohne Konsequenz

Schuld und Verantwortung für eine Katastrophe.

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Dieses Motiv kann man kaufen. Weitere Informationen bei der 3 Steps Crew (Flickr, CC)

Alle reden vom Sommercrash und den Ausschreitungen in Großbritannien, fast niemand mehr von Fukushima. Das ist aufgrund der aktuellen Weltlage verständlich; allerdings wird in Japan gerade erst klar, was genau im März 2011 passiert ist – und wie Regierung und Behörden das Ausmaß der Katastrophe verschleierten. Die New York Times schreibt (Langversion des Textes hier):

In interviews and public statements, some current and former government officials have admitted that Japanese authorities engaged in a pattern of withholding damaging information and denying facts of the nuclear disaster — in order, some of them said, to limit the size of costly and disruptive evacuations in land-scarce Japan and to avoid public questioning of the politically powerful nuclear industry.

Auf Geheiß von Premier Naoto Kan verschwiegen die Behörden des Landes kurz nach der Katastrophe ihren Bürgern offenbar die Speedi-Daten, also die Vorhersagen über die Konzentration von Radioaktivität in der Luft. Die Konsequenz: Tausende Bewohner der Stadt Namie nördlich des Atomkraftwerks sahen sich vor ihrer Evakuierung womöglich Strahlung ausgesetzt, weil sie glaubten, der Wind würde die radioaktiven Partikel in eine andere Richtung tragen.

In vielen anderen Ländern hätte ein solches Versagen von Behörden und Regierung längst eine breite Debatte aufkommen lassen, hätte ein Regierungschef ob solcher Versäumnisse wahrscheinlich zurücktreten müssen. Ob es an der Geschlossenheit der japanischen Gesellschaft liegt, der Problematisierung von Transparenz oder an der aufgeladenen Bedeutung der Konzepte Verantwortund und Gesichtswahrung: Außer ein paar Diskussionen am Rande scheint es keine direkten Konsequenzen zu geben. Naoto Kan wird in den nächsten Wochen zurücktreten – allerdings, weil gegen ihn in der eigenen Partei intrigiert wird, und das schon lange vor dem Tsunami.

In der Präfektur Fukushima wurden Ende März mehr als tausend Schulkinder untersucht; die Ergebnisse zeigten, dass sie erhöhter Strahlung ausgesetzt waren. Die Behörden behaupten, Nachuntersuchungen seien aufgrund der niedrigen Dosen nicht notwendig. Um das Stück in der New York Times zu zitieren:

Many experts both in and outside Japan are questioning the government’s assessment, pointing out that in Chernobyl, most of those who went on to suffer from thyroid cancer were children living near that plant at the time of the accident.

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