Herr Wulff hat einen Sonnenstich

Christian Wulff

This is not Niedersachsen, Mr. President (Foto: European Parliament via Flickr, CC)

Christian Wulff hat offenbar noch nicht verstanden, was sein Job ist. Ich hab noch nie einen Bundespräsidenten erlebt, der über die großen, überwölbenden Fragen so wenig zu sagen hat, sich dafür in die Tagespolitik einmischt, als wäre er Teil des Bundeskabinetts.

Wulff heute:

„Ich halte den massiven Aufkauf von Anleihen einzelner Staaten durch die Europäische Zentralbank für rechtlich bedenklich. (…) Dies kann auf Dauer nicht gutgehen und kann allenfalls übergangsweise toleriert werden. Auch die Währungshüter müssen schnell zu den vereinbarten Grundsätzen zurückkehren.“

Mark Schieritz interpretiert in diese Aussagen einen Bruch der Europäischen Verträge hinein, wobei natürlich die EZB inzwischen sowieso „backstage“ beeinflusst wird, mit absehbarem Schaden für die Institution. Um was es mir geht, ist die Dreistigkeit, mit der Wulff sich als Tagespolitiker aufspielt und sich dabei im Ton vergreift. Gaddafi als „Psychopathen“ zu bezeichnen, geht genau in diese Richtung: Die Diagnose mag nachvollziehbar sein, aber für jemanden, der nun in der Diplomatie zu Hause ist und als Staatsoberhaupt über den Dingen steht, sind solche Äußerungen völlig unangebracht und stillos.

Es wird Zeit, dass Christian Wulff endlich etwas Schlaues zu den gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart sagt, unsere Grundpfeiler für die kommende Zeit umreißt, darlegt, auf was es jetzt ankommt. Aber gerade bei den großen Fragen kommt von ihm nichts, niente. Stattdessen verirrt er sich im tagespolitischen Klein-Klein. Leider sind seine Ausfälle nicht dem heißen Wetter geschuldet: Dieser schwache Bundespräsident fügt sich nahtlos in das schwache Bild der Merkel’schen Regierung ein.

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