Amerikas Nudeldiplomatie

Ein kleines Lehrstück in Sachen Symbolwirkung.

Picture of Noodles

Spaghetti-Incident vermieden (via avlxyz, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Die USA verhalten sich gegenüber China derzeit außerordentlich ruhig, was natürlich der Abhängigkeit vom Großgläubiger geschuldet ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Land nicht diplomatisch geschickt in Entwicklungen in der Volksrepublik eingreifen kann.  Der Trick, den die USA dabei anwenden, ist gar keiner: Sie üben öffentlich Bescheidenheit.

Als der neue US-Botschafter Gary Locke seinen Job in China antrat, machten einige Fotos im chinesischen Internet die Runde: Ein Geschäftsmann hatte ihn fotografiert, wie er mit seiner Tocher bei Starbucks einen Kaffee bestellte, weitere Bilder zeigten ihn und seine Familie, wie sie am Flughafen von Peking ihr eigenes Gepäck trugen. Warum das wichtig ist? Zitat New York Times:

Cheng Li, a scholar at the Brookings Institution who studies Chinese elite politics, said in an e-mail: “Ambassador Locke’s photo contrasts sharply with the image of the Chinese officials who often live in a secret, insulated, very privileged fashion. This may explain why some Chinese leaders tend to be out of touch with the real life of the ordinary Chinese people — members of the urban middle class, not to mention the farmers and migrant workers.”

Das Lob chinesischer Internet-Nutzer mag erklären, dass einige Tage später auch US-Vizepräsident Joe Biden, nicht immer für bescheidenes Auftreten bekannt, den demütigen Normalbürger gab.  Zitat aus einem hörenswerten Deutschlandfunk-Stück über Chinas Rolle in der Welt:

Dafür demonstrierte Biden Volksnähe, speiste am Glockenturm in der Pekinger Altstadt in einem einfachen Nudel-Restaurant für gerade mal 8 Euro 60, wo er ein typisches Pekinger Gericht für einfache Leute bestellte: Zhajian Mian, Nudeln mit einer dunklen Soße aus Sojabohnenpaste und Hackfleisch. Die PR-Strategie ging auf: Chinas Internet-Nutzer jubelten, verstanden die Nudeldiplomatie genauso wie sie gemeint war – als Geste der Bescheidenheit. Sie lobten wie sparsam amerikanische Politiker mit hart verdienten Steuergeldern umgingen – ganz im Gegensatz im Übrigen zu den verschwenderischen chinesischen Funktionären.

Vor dem Restaurant bilden sich seitdem lange Schlangen, heißt es, Kunden verlangen ausdrücklich „das Essen des Vizepräsidenten“. Und ganz nebenbei verbessern die USA ihr Image in China und lassen die Regime-Bürokraten ziemlich alt aussehen.

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