USA, Irak und die gebrochenen Versprechen

Zum Abzug der letzten US-Truppen aus dem Irak.

US Troops leave Baghdad

Einfach nur nach Hause (Foto: The U.S. Army, Flickr, CC BY 2.0)

Um 6:59 Uhr Ostküstenzeit haben die USA den Krieg im Irak offiziell beendet, zu diesem Zeitpunkt hatten die letzten Soldaten das Land bereits verlassen. Es ist kein Sieg, Amerika hinterlässt bestenfalls ein geordnetes Chaos.

Die politische Lage hat sich seit Amtsantritt der Obama-Administration in der Hinsicht verschlechtert, dass der schiitische Ministerpräsident al-Maliki die Sunniten und säkularen Kräfte margninalisiert hat. Die US-Regierung war so darauf fixiert, in der ersten Obama-Amtszeit das Versprechen des Abzugs wahrzumachen, dass sie keinerlei strategischen Einfluss mehr geltend machte, um die richtigen Weichen für die Zeit danach zu stellen. Wie Reidar Visser, der die Besatzungszeit genau analysiert hat, diese Woche urteilte:

 By consistently thinking of Mr. Maliki as a Shiite rather than as an Iraqi Arab, American officials overlooked opportunities that once existed in Iraq but are now gone. Thanks to their own flawed policies, the Iraq they are leaving behind is more similar to the desperate and divided country of 2006 than to the optimistic Iraq of early 2009.

Einen Hinweis, in welche Richtung sich die irakische Politik entwickeln wird, zeigen aktuellen Entwicklungen: Al-Maliki wartete noch nicht einmal ab, bis der letzte Konvoi die Grenze passiert hatte, um einen Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tariq al-Hashimi ausstellen zu lassen. Der Vorwurf: Dieser sei in einen Attentatsplan gegen den Schiiten verwickelt. Sollte sich dies bestätigen, zeigt sich, wie fragil die Lage ist – möglicherweise aber störte al-Maliki einfach, dass al-Hashimi mehr Macht für die politischen Führer in den sunnitischen Gebieten forderte. Das wäre wenig überraschend und Zeichen dafür, dass al-Maliki die schiitische Dominanz zu einer Autokratie ausbauen will.

Es fällt nicht schwer, das Land in den kommenden Jahren in einen Bürgerkrieg abdriften zu sehen. Viel akuter sind allerdings die Probleme von ehemaligen Übersetzern und Angestellten der USA. Amerika hatte ihnen für ihre Hilfe nicht nur Geld gegeben, sondern auch Schutz versprochen, zum Teil politisches Asyl. Einzig: Dieses Versprechen wird das US-Militär aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage, sowie politischer Sicherheitsbedenken, nicht einhalten. Die ersten Morddrohungen gegen frühere Helfer sind bereits eingegangen.

1 Gedanke zu „USA, Irak und die gebrochenen Versprechen“

  1. Ich hab mich auch sehr gefragt, warum das Ende des Krieges in „den Medien“ zwar erwähnt, aber im Grund nicht weiter reflektiert wurde.

    v.a. anderen muss ich aber sagen, dass das alles so klingt, als hätte das auch von 2000 Jahren passieren können. Die Grundmechaniken des Kriegs haben sich nicht verändert.

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