Crowdsourcing im Journalismus

 Ein paar Gedanken zum Stand der Kollaboration.

Bürger und Journalisten

Burger und Journalisten (Foto: Waag-Society, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Der geschätzte Martin Kotynek und  „PlagDoc“  haben unter dem Titel “Schwarmgedanken“ einige Lehren aus Guttenplag aufgeschrieben (Disclosure: Ich habe eine frühere Version des Textes gegengelesen).

Über kollaborative Formen des Journalismus (oder “journalistischer Akte“) wird ja bereits seit mehr als fünf Jahren diskutiert. Meine Anfangseuphorie  ist inzwischen eher einer Form des Realismus gewichen, zumindest was die Involvierung von Mainstream-Medien angeht.

Es gab einige Beispiele (Guardian, NPR, etc.), die positive Schlagzeilen gemacht haben, andere sind schnell zum Flop geworden. Wenn man sich z.B. Guttenplag ansieht, frage ich mich, ob solch ein Projekt damals zentral und unter einem Medienlabel funktioniert hätte. Häufig ist der Charme solcher kollaborativer Anstrengungen (zumindest in Deutschland), eine Gegenöffentlichkeit zu bilden; Zeit und Hirn für ein Medienunternehmen zu verwenden, bringt gleich eine Art der Asymmetrie, die eher an Mechanical Turk, als an Kollaboration erinnert.

Dahinter steckt meiner Meinung nach ein Grundsatzproblem: Die meisten deutschen Medienmarken haben zwar in den vergangenen Jahren online Nutzer gesammelt, aber dies noch zur Bedingung der alten Medien. Mangelhaftes Community-Management, Einbahnstraßen-Journalismus ohne Rückkanal oder generell schlechter Service haben dazu geführt, dass man zwar Kunden gewann, nicht aber Sympathisanten. Das skaliert häufig, wenn es um den Abverkauf von Online-Bannern geht, nicht aber, wenn es um die Weiterentwicklung des Journalismus in Richtung Dialog und Prozess geht.

Ich glaube, dass es in der nächsten Zeit deshalb für Medienmarken im Netz darum gehen wird, aus  Kunden (wieder) Sympathisanten zu machen. Das ist nicht nur für kollaborative Projekte essentiell, sondern für den Fortbestand generell.

Ob dies dann bedeutet, dass das nächste Guttenplag bei Zeit Online, Süddeutsche.de (wo ich arbeite) oder Spiegel Online stattfinden wird, ist nicht gesagt. Rein objektiv betrachtet muss es das auch gar nicht – vielmehr kann die dezentrale Verwendbarkeit solcher Werkzeuge Medienlandschaft und journalistischer Vielfalt nur gut tun. Der Guardian hat dieses Bestreben nach offenen Lösungen meiner Meinung nach am besten bekannt und beginnt mit dem Miso-Projekt, Open-Source-Werkzeuge für modernen Journalismus zu entwickeln und herauszugeben.

11 Gedanken zu „Crowdsourcing im Journalismus“

  1. Nebeneffekt: Werden aus Kunden Sympathisanten, könnten auch metered Paywalls wie bei der NZZ funktionieren, die die Leser freundlich zum Bezahlen bitten. Ohne das wohl eher nicht.

  2. Ach Johannes. Seit drei Jahren ziehen wir nun Beispiele aus den USA und Großbritannien heran … Es sind so viele Journalisten in der Lage und willens, etwas zu ändern. Anscheinend ist aber auf Anbieterseite (= Verlage) niemand so recht bereit, mal richtig Geld in die Hand zu nehmen und tapfer ins (unterdessen immerhin schon) lauwarme Wasser zu springen.

  3. @Vera: Sorry, bei mir laufen die Kommentare erstmal in die Queue und ich war gestern nicht mehr stationär online.

    Ansonsten stimme ich Dir zu. Liegt wahrscheinlich daran, dass es sich auf den ersten Blick nicht monetarisieren lässt und mehr Aufwand als bei einem Datenjournalismus-Projekt nötig ist, da die Community ja ständig Pflege braucht. Und selbst eine gute Community ist noch keine Garantie, dass es funktioniert. Das sind zu viele unbekannte Faktoren für ängstliche Verlage.

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  6. Zutreffender Post.

    So lange deutsche Zeitungen wie die Süddeutsche Kommentare zu ihren Artikeln nur während der Bürozeiten erlauben, ist es kein Wunder, dass sich keine Community bildet…

  7. @Dajolt: Falls Sie es nicht gemerkt haben – die Öffnungszeiten wurden abgeschafft. Wir haben das nicht groß verkündet, weil die Redaktion der Ansicht ist, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist.

  8. @Johannes,
    nein, ich muss mich entschuldigen. Es liegt anscheinend an meinem Rechner, der seit einigen Tagen Seiten sonderbar darstellt. Ich suche …

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