Die mobile Revolution (I): Make it a Newsbite

Eine kleine Idee für die großen Herausforderungen der mobilen Nachrichtenwelt.

Menschen nutzen Smartphone in der U-Bahn

Im Bann des Displays (Foto: davitydave, Flickr, CC BY 2.0).

Die Tatsache, dass der mobile Anteil an der Nutzung von Webseiten rasant wächst, wurde in den letzten 18 Monaten sehr schnell zur Binse. Das damit mehr einhergeht als die Umstellung auf Responsive Design, sprach sich im Online-Journalismus nicht ganz so schnell herum. Die Idee, plötzlich Informationen/Texte/Items für mehrere Nutzungsformen zu designen, ist natürlich für den vom Print abstammenden Webjournalismus erst einmal eine Umstellung, weil sehr viele Workflows daran hängen. Diese Evolution ist allerdings logisch: Einst kam der Hypertext, es folgten die embeddable Objects, nun wird die Form an sich aufgebrochen (Live- und Newsblogs oder Dienste wie Storify sind hier nur der Anfang).

Circa wird derzeit gern als Beispiel genannt und könnte zumindest in Sachen Informationsarchitektur durchaus ein Ausgangspunkt sein. Von Themen und Inhalt finde ich es bislang noch nicht besonders spannend, aber man wächst ja. David Bauer von der Tageswoche regte jüngst den zoombaren Artikel an, also letztlich eine ausgefeilte Weiterentwicklung dessen, was Seiten wie CNN mit ihren tl;dr-Infos bieten.

Wer sich mit mir über das Thema unterhält, der weiß, dass mir seit längerem ein Mobilangebot vorschwebt, das drei Informationsebenen bietet, die jeweils in einen halben Smartphoneschirm passen sollten (letztere Erkenntnis ist von Circa abgeleitet):

1.    Die Nachricht (ähnlich dem, was man z.B. bei den Deutschlandfunk-Nachrichten erhält)
2.    Die Einschätzung (Also eine Art kurzer Hintergrund-Paragraph)
3.    Das unnütze Partywissen dazu (also eine Anekdote, Fun Fact, etc.)

Dieses Konzept, ich nenne es „Newsbite„, würde für mich als schnellen Konsumenten erst einmal alles drin, was ich bräuchte, wenn ich mich nicht in ein Thema reinknien möchte. Ein „Newsbite“ verschmilzt letztlich das Kanonische (Punkt 1), für das ich weiterhin Bedarf sehe, mit der Erkenntnis darüber, was Nachrichten im Ökosystem Social Media relevant macht (Punkte 2 und 3). Vor allem den Bedarf nach Partywissen übersehen Online-Portale häufig in ihrer Bierernstigkeit.

Was haltet Ihr von dem Konzept? Was fehlt (als Punkt 4 eine von Nutzern kuratierte Linkliste für weitere Infos zum Beispiel?)? Wie immer freue ich mich über Feedback und Ergänzungen.

Demnächst folgt Teil 2 der mobilen Revolution. Thema: Warum mobile Werbung vielen Diensten Sorgen machen sollte. Als Einstimmung sei dieses aktuelle Stück aus der NYT empfohlen.

2 Gedanken zu „Die mobile Revolution (I): Make it a Newsbite“

  1. Hi Johannes, ich bin da mit Deiner Einschätzung ganz bei Dir! Auch ich denke, dass die großen Newssites sich oftmals keinen Gefallen tun, wenn sie einfach ihr bestehendes Angebot versuchen responsive darzustellen. Lange Texte sind mobil oft gar nicht angebracht. Gerade der Smartphone-Nutzer möchte mobil vielleicht eher kurz, knapp und präzise, aber durchaus von einer ihm bekannten, verlässlichen Quelle/Marke, die letzten News präsentiert bekommen. Da ist sicherlich ein Umdenken gefragt. Ich nutze Circa derzeit ja auch noch nicht, finde aber die besagte Architektur sehr interessant. Hier gibt es noch weitere Gedanken zum Thema. Lohnt sich auf jeden Fall, dran zu bleiben.

    http://www.mediabistro.com/10000words/3-lesson-journalists-can-learn-from-circa_b15990

    Gruß, Martin

  2. Pingback: kopfzeiler.org » Blog Archive » Dinge, die vom Himmel fallen (der Medienwandel gehört nicht dazu)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.