Vier Jahre

Ein bisschen Pathos zum Wahlabend

Obama 2008 Screenshot

5. November 2008 (Archiv-Screenshot von Ben)

Wer sie miterlebt, weiß: US-Wahlnächte bleiben im Gedächtnis, wenn auch oft verschwommen. Ich erinnere mich an die Verwirrung 2000, das ewige Warten. An unsere zwischenzeitliche Hoffnung 2004, dass es Kerry wirklich schafft. An die Wahlnacht 2008, als ich noch in Hamburg bei Zeit Online arbeitete und dort genau vier Menschen in der Redaktion waren: Zwei zum Kloppen der Nachrichten, ich als Community-Redakteur zur Moderation der äußerst spärlichen Kommentare und Ben, weil er einfach ’ne nette Wahlnacht haben wollte. Wir hatten sogar beide noch Zeit, vor dem Morgengrauen zu bloggen.

Vier Jahre ist das jetzt her. Von oben betrachtet ein Wimpernschlag. Und doch ist viel passiert, hat sich viel entwickelt. Persönlich, und auch im Journalismus. Ich nehme an, dass ZON heute Nacht mit mehr als nur zwei, drei Journalisten auflaufen wird. Und auch ich mische wieder mit, ab 5 Uhr, an anderer Stelle, in anderer Rolle und in einer anderen Stadt. Als Teil eines fantastischen Teams bei Süddeutsche.de.

Soziale Medien sind erwachsen geworden, der Online-Journalismus hat sich verändert in Darstellungsformen, Akzeptanz und im Echtzeit-Charakter. Und das wird weitergehen. Wir reifen. Wer kann sich schon vorstellen, wie das alles hier in der US-Wahlnacht 2016 aussehen wird? Was bleibt, was neu entsteht? Ungewissheit ist manchmal wie Fahrtwind.

Und obwohl sich die Dinge ändern, fühlt es sich 2012 hierzulande immer noch ein bisschen wie Pionierarbeit an. Und genau deshalb sind es Momente wie heute Nacht, für die wir brennen. Weil sie Stress bedeuten, und einen Riesenspaß.

Ich weiß, dass Einteilungen wie „Onliner“ eigentlich heute Quatsch sein müssten, aber heute verwende ich sie absichtlich: Wenn ich zurückschaue, wenn ich die Gegenwart sehe und in die Zukunft blicke, freue ich mich wie Bolle, im und mit dem Internet arbeiten zu dürfen. Damals, heute und morgen. Und ich bin stolz auf uns alle, die diesen Weg gehen, egal wo auf dieser Welt. Auf die, die demütig wie ein Pilger und hungrig wie ein Wolf sind. Auf die Journalisten, die das Medium und seine Möglichkeiten begreifen suchen, die Teilhabe, Dialog und Veränderung umarmen. Und ich bin dankbar für die, die uns begleiten. Die man früher mal Leser oder Nutzer nannte, die aber letztlich schlicht ein Teil von uns und unserer Welt geworden sind.

Was ich eigentlich sagen wollte: Vorwärts von hier!

3 Gedanken zu „Vier Jahre“

  1. Hach … das war ein toller Abend, den werde ich wohl nicht vergessen. Hab in den letzten Wochen mehrfach davon erzählt. Und mir kommt es inzwischen vor, als wäre das eine Ewigkeit her. Dieses Jahr habe ich seelenruhig geschlafen. Leider ziemlich aussagekräfte für einiges …

    So oder so hast Du aber latürnich recht: Voran!

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