Medium beunruhigt mich

Foto: Maria Johnson, Flickr, CC BY-NC 2.0

Seit einiger Zeit ist Medium, das Portal von Twitter- und Blogger-Gründer Evan Williams online. Das Layout und die Präsentation der Texte fand ich von Beginn an überzeugend, doch auf Anregung des geschätzten Kollegen von Gehlen (selbst Crossposter) habe ich mich nun näher damit beschäftigt, auch mit dem Backend. Es ist, kurz gesagt, beunruhigend.

Beunruhigend gut, ist damit auf der einen Seite gemeint. Medienhäuser basteln seit Jahren an ihren CMS‘ herum und dann schafft Medium ein Backend, das äußerst intuitiv und ansprechend ist. Eigentlich genauso reibungslos, wie ich es mir überall wünschen würde (dabei haben wir ein gutes System!). Dazu bietet es Funktionen, über die wir Journalisten schon lange nachdenken: Tweets von Textpassagen (ja, hat die NYT inzwischen auch) und Annotationen, also Kommentare zu bestimmten Worten, Sätzen oder Absätzen.

Und dann wäre noch die Botschaft, die ich aus Medium herauslese: Wenn Silicon Valley will, kann es mit ein paar Handgriffen (okay, und ein paar Millionen) mal schnell eine Plattform hochziehen, gegenüber der die Traditionsmedien in Sachen Lesererfahrung nur alt aussehen können.

Ich weiß nicht, ob  Medium fliegen wird, womöglich ist es ein Eitelkeitsprojekt, das sich aufgrund Mangel an Profil und Inhalten mit wachsender Gewohnheit selbst erledigt. Andererseits war das auch die Prognose für Tumblr. Eine größere Nische sehe ich auf jeden Fall – und damit auch eine Gefahr für selbstgehostete Blogs. Denn WordPress, geben wir es zu, wirkt dagegen ziemlich altbacken. Das ist die zweite Sache, die mich beunruhigt: Dass der Blogsilo-Trend, der mit Tumblr begann, sich mit Medium fortsetzt. Und zwar mit solcher Macht, dass das Internet auch auf diesem Feld auf absehbare Zeit im ummauerten Garten spielt.

P.S: Hier übrigens meine kleine Medium-Seite.

4 Gedanken zu „<span class='p-name'>Medium beunruhigt mich</span>“

  1. Dann solltest Du mal dringend zusehen eine Blick unter die Moterhaube von Chorus dem CMS von Vox-Media werfen. Ich hatte leider nur indirekten Zugriff, kann aber verraten, dass deren Erfolg nicht zuletzt auch darauf basiert. Da bin ich echt neidisch geworden. Ich hätte das ja fast nicht für möglich gehalten, dass in dem bereich noch soviel Fortschritt möglich ist.

  2. Vielen Dank für deine Gedanken zu Medium, Johannes. Ich habe mich selbst auch vor ein paar Wochen dort angemeldet, um zu sehen, was die Plattform so bietet und war ebenfalls von den Annotationen begeistert.

    Als selbst-gehostete Variante zu WordPress kann ich Dir die Ghost Blogging Platform (ein Open-Source CMS basierend auf der MIT-Lizenz) empfehlen, mit der ich und über die ich meinen Blog betreibe.

    Grüße,

    Patrick

  3. @Patrick: Danke, das gucke ich mir am Wochenende mal genauer an!
    @Ben: Ja, die Plattformen von Vox Media sehen ja schon im Frontend ähnlich aufgeräumt aus.

  4. Pingback: Journalismus (2/16): Medium.com und Endpunkt-Medien – kopfzeiler.org

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