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Zeit der Macheten

Namen einiger identifizierter Opfer des Völkermords in Ruanda. (Foto: beccacantpark, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Am 6. März 1994 um 19:20 Uhr befand sich das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana im Anflug auf den Flughafen Kigali, als es von zwei Raketen getroffen wurde. Wer sie abgefeuert hatte, ist bis heute nicht geklärt.

Bekannt ist, was auf den Tod des Hutus mit dem Spitznamen „Der Unbesiegbare“ folgte. Die Ermordung fast einer Million Menschen auf brutalste Weise. Auch westliche Medien – selbst jene, die Afrika sonst ignorieren und stereotypisieren – schreiben dieser Tage über den Völkermord in Ruanda. Wer einmal ins Archiv steigt und sich die Berichte von 1994 ansieht, weiß, dass die Schlagzeilen damals andere waren.

Das Morden mit Macheten und Hacken, das routinemäßige Zerfetzen von als „Kakerlaken“ bereits verbal der Einordnung als Mensch beraubten Männern, Frauen und Kindern – die Analyse der politischen und sozialen Umstände wird dieser Dimension des Genozids nicht vollends gerecht werden.

Der französische Journalist Jean Hatzfeld hat deshalb nach dem Völkermord die Überlebenden, aber auch die Täter dieses unfassbaren Verbrechens getroffen und deren Aussagen protokolliert. Seine Bücher „Nur das nackte Leben“ und „Zeit der Macheten“ (im Video unten ein Auszug) zeigen beide Perspektiven. Sie seien jedem empfohlen, der sich mit dem Ruanda von 1994 beschäftigen möchte – oder auch nur mit der Unmenschlichkeit im Menschen und die Reaktion jener, die ihr in brutalster Weise ausgesetzt sind. Und mit dem, wie Täter mit ihrer Schuld umgehen – auch und gerade ein deutscher Topos.

Linktipp: Der geschätzte Dominic Johnson hat auf taz.de eine ausführliche Leseliste zusammengestellt.

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