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Meerkat, Twitter und Graph APIs

Meerkat muss man zunächst einmal nicht besonders ernst nehmen, so wenig wie die Gestalten, die auf der SXSW rumhängen (mich eingeschlossen). Es ist ein erstaunlich gut gemachtes Nebenprodukt, das vielleicht zwei Sprints gedauert hat. Das Prinzip dahinter ist sehr viel spannender, Lifecasting lässt grüßen, hat aber seine zeitlichen und unterhaltungsfaktorbedingten Grenzen. Es wird sein Publikum finden (theoretisch ist das Konzept sogar ein Sockel für weitere Apps).

Mich beschäftigt stärker, weil symptomatisch, der Twitter-Umgang damit: Twitter macht den Social Graph zu und wird, wenn das nicht funktionieren sollte, sicher noch etwas am API-Zugang von Meerkat schrauben. Mit Periscope hat man einen eigenen Dienst, der wahrscheinlich in Vine-Art ausgekoppelt wird.

Twitter, das gerade eine Charme-Offensive für Entwickler gestartet hat, hat schon eine ganze Reihe von Clients ins Aus geschossen. Facebook macht auch gerne dicht und stellt mit Flipboard gerade dasselbe in Grün an, das Unternehmen wird ebenso wie LinkedIN seine Graph API mehr oder weniger abschalten. Twitter dürfte angesichts der aktuellen Erfahrungen bald folgen.

Was das bedeutet? Die großen Identitätsanbieter sind proprietäre soziale Betriebssysteme, und sie folgen ihren eigenen, von Aktionärsansprüchen geprägten Regeln. Wer Software für Content-Silos baut, muss sich klar darüber sein: Sobald eine Nutzung oder eine Funktion das Geschäft eines Identitätsanbieters gefährdet, werden diese den Zugang abklemmen. Meerkat war schlau und dumm zugleich, den Netzwerkeffekt gegen das Netzwerk zu verwenden, das sein Wachstum speisen sollte.* Das wird künftig nicht mehr so leicht möglich sein.

Nur zur Erinnerung: Vor ein paar Jahren gab es zumindest die theoretische Möglichkeit eines halbwegs erfolgreichen Open-Source-Identitätsdienstes. Verdammt lang her.

* Dummheit ist natürlich überspitzt, denn wer sollte mit einem von Producthunt getriggerten Hype rechnen?

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