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Warum Virtual Reality eine große Sache wird

(Das hier ist ein Auszug aus meinem „Best Coast“-Newsletter. Wer ihn regelmäßig lesen möchte: Unter dem Text eintragen!)

Was das Beste an Virtual Reality werde, fragte ich neulich einen indischstämmigen Googler, der dazu vor längerer Zeit an der Uni geforscht hatte: „Dass ich mit meiner Familie zuhause in einem Raum sitzen kann, obwohl ich Tausende Meilen weit weg bin„, antwortete er lächelnd.

VR hat unter den neuen Endanwender-Technologien das derzeit größte Potenzial, und sie liegen nicht im Gaming, sondern in diversen Entertainment-Möglichkeiten und – siehe oben – der Neudefinition von Anwesenheit.

Warum nicht Gaming? Weil Facebook die Oculus mit aller Macht in den Mainstream drücken will und wird – mit Hilfe von Samsung wird der erste Schwerpunkt auf Mobile liegen, die Gear-Halterung wird m Weihnachtsgeschäft wohl groß gepusht. Und weil die für Gaming wichtige Frage nach der idealen Steuerung (Input) noch ungelöst ist. Ich habe nach der GDC Anfang März einen kurzen Statusbericht für SZ.de geschrieben, in dem mehr über die aktuellen Controller-Konzepte und die Plattformfragen steht.

Die Steuerung ist eine Hürde, die andere der Markt: VR braucht gleich zu Beginn richtig gute Anwendungen, doch Profit lässt sich angesichts einer nicht einmal siebenstelligen Gerätezahl zunächst nicht erwarten. In diesem Zusammenhang: Immer wieder erzählen Branchenmenschen davon, wie wichtig es ist, am Anfang gute Software zu entwickeln, weil die Erfahrung der Nutzer vom ersten Eindruck abhängt. Und wenn dieser Eindruck die berühmte VR-Seekrankheit oder sonstwie unangenehm ist, kann die erwartete Massen-Adaption schnell ausbleiben.

Seit einigen Monaten gibt es extrem viele Veranstaltungen und Treffen zum Thema. Die gehen von Debatten zu Designfragen (neue Daten-Ebene durch räumliche Verhältnisse zwischen Objekten; wie simuliere ich Haptik?) über Funding-Diskussionen bis hin zum Esoterischen („Wird es ein Metaversum geben?“). Die Startups suchen händeringend Personal, aber VR-Entwickler wachsen nicht auf den Bäumen.

Die Demos sind meist kurz und deuten an, was möglich ist: Sport live verfolgen (NBA-Spiel vom Spielfeldrand) oder virtuell am Strand sitzen, eine digitale Wohnungsbesichtigung. Es gibt auch eine Tour durch syrische Flüchtlingslager, um die Situtation dort zu begreifen (die habe ich aber noch nicht ausprobiert). Menschen hier reden auch über digitale Situationstherapie oder OP-Training für Ärzte.

Und irgendwo dazwischen gibt es eine ethische Komponente, die Perspektive der stärkeren Vereinzelung und digitalen Immersion, die Frage nach der Rolle von Text, unserem sozialen Verhalten in VR oder die Perspektive einer Schaffung neuer Räume für Subkulturen aller Art. Virtual Reality wird viel verändern – nicht alles, aber mehr, als wir derzeit absehen können.

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