Wahrheit nach Fakten

Half Dome Sunset, Yosemite Natonal Park, California

Wie konstituiert sich Wahrheit im 21. Jahrhundert, fragt Jill Lepore in einem Essay über das Buch des Philosophen Michael P. Lynch.

„No matter the bigness of the data, the vastness of the Web, the freeness of speech, nothing could be less well settled in the twenty-first century than whether people know what they know from faith or from facts, or whether anything, in the end, can really be said to be fully proved.“

Ein gesellschaftlicher Diskurs auf Post-Fakten-Basis existiert in den USA schon seit mehr als einem Jahrzehnt, in Deutschland ist er erst in den vergangenen Jahren prominent geworden. Er ist, so merkt sie an, nicht alleine durch das Internet entstanden, sondern hatte sich schon vorher abgezeichnet. Wie also lässt sich in dieser Welt am Ende Wahrheit feststellen, gerade in der gesellschaftlichen Debatte? Am Ende beschreibt sie die Aufgabe so:

„People who care about civil society have two choices: find some epistemic principles other than empiricism on which everyone can agree or else find some method other than reason with which to defend empiricism. Lynch suspects that doing the first of these things is not possible, but that the second might be. He thinks the best defense of reason is a common practical and ethical commitment.“

Der letzte Satz beschreibt wahrscheinlich wirklich den mühsamen Weg, der vor uns allen liegt. Lepore interpretiert ihn politisch, ich eher als zivilgesellschaftliche Ausverhandlung. Vielleicht meinen wir auch das Gleiche. Die größte Gefahr die ich dabei (neben tauben Ohren) sehe, ist der Fehler, Prinzipien und Vorurteile nicht sauber zu trennen (vgl. das Schande-Prinzip). Gerade, wenn der Diskurs auf „gewinnen“ und „verlieren“ angelegt ist – und es um sehr viel geht – ist das menschlich. Andererseits wäre das genau die Falle, vor der die Aufklärung uns gewarnt hat.

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