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Offenheit und Offenheit

Der niederländische Sozialpsychologe Mark Brandt bei Aeon über seine Forschung zur Offenheit für andere Meinungen (u.a. im akademischen Bereich):

„One might expect that people high in openness are less likely to connect perceived differences in attitudes and values to the expression of prejudice. For example, a person scoring high in openness might recognise that she disagrees with the values of Christian fundamentalists, but she might not express prejudice towards fundamentalists any more than towards any other group, including those that she agrees with. In the two studies we conducted, this was never the case. In fact, in one of those studies we found that perceptions of differences were correlated more strongly with prejudice for people high in openness than for people low in openness. That is, in our example, perceiving fundamentalists as having different attitudes and values was more tightly connected with prejudice for people high in openness.“

Das Ergebnis der Studie, so wie ich es verstanden habe: Als „offen“ oder „weniger offen“ klassifizierte Versuchspersonen bewerteten soziale Gruppen von konventionell (Christen, Republikaner) bis unkonventionell (LGBT, Atheisten). Die Versuchspersonen, die „offener“ waren, hatten weniger Vorurteile gegenüber unkonventionelle Gruppen, aber mehr Vorurteile gegen konventionelle Gruppen als die „nicht-offenen“ Versuchspersonen.

Brandt zitiert Nick Kristof mit dem feinen, auf das progressive Lager gemünzte Satz: „We’re fine with people who don’t look like us, as long as they think like us.“ Wir sind schnell dabei, „Offenheit für was?“ zu fragen und Ideen ohne ernstgemeinte Bewertung in Schubladen mit der Aufschrift „extrem“*, „rückwärtsgewandt“ oder „unangebracht“ zu stecken, obwohl wir eigentlich entweder die Idee nicht mögen oder einfach die Person/Gruppe, von der sie kommt. In Social Media ist das dauernd zu erleben, und das nervt mich, weil ich glaube, dass wir uns mehr abverlangen müssen, um einen guten Diskurs zu führen.

*das konservative Gegenstück ist, semantisch überraschend, „naiv“ oder „gutmenschelnd“.

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