Russell Brand und Sam Harris

Russell Brand hat in seinem Podcast Sam Harris zu Gast und das Ergebnis fasziniert mich auch deshalb, weil sich zwei Pole gegenüber stehen, die auch einen meiner inneren politischen Konflikte bestimmen.

Brand kommt aus einer progressiv-spirituellen Haltung. Er verbindet den Glauben an Menschlichkeit mit einem Bewusstsein, dass unsere westlichen Denkstrukturen nicht die einzigen validen Moralsysteme sind – und dass sie in der Praxis dem Ideal der Aufklärung oft widersprechen und zum Beispiel im Kolonialismus ein geschichtliches Narbenfeld hinterlassen haben.

Harris dagegen ist ein überzeugter Atheist, der aber darauf keine dekonstruktive Weltanschauung baut, sondern eine ganz klare moralische Haltung aus der unbedingten Vermeidung von Leid (für Menschen, Tiere, Lebewesen) und Orientierung an den Wissenschaften entwickelt.

Am offensichtlichsten werden die Differenzen zwischen den beiden bei der Debatte über Burka und politischen Islam. Am größten sind ihre Überschneidungen, wenn es um meditativ geformte Spiritualität und Mitgefühl als Fundament einer reflektierten und ethischen Lebenshaltung geht.

Ich empfinde beide Positionen als stark und glaube sogar, dass sich auf dem Brand’schen Fundament eine leicht modifizierte Form des Harris’schen Weltverständnisses bauen ließe, ohne dass dieses Konstrukt zu relativistisch oder rationalisiert utilitaristisch wäre. Aber ein zeitgemäßer Humanismus entsteht natürlich nicht alleine im Gespräch zweier Menschen, sondern im Kontext und Konflikt einer Masse unterschiedlicher Systeme, nach denen wir leben.

(Zwei Sätze noch zu Russell Brand: Er kann sehr anstrengend sein, aber ich habe großen Respekt davor, dass er sich dezidiert als Suchender zu erkennen gibt. Heute ist es viel einfacher und lukrativer, sich als Erklärer zu verkleiden.)

Siehe auch: Westen ohne Gott

2 Gedanken zu „Russell Brand und Sam Harris“

  1. Freut mich sehr dies zu lesen! Diese Folge fand von Sam’s Podcast fand ich herausstechend. Insbesondere Freude hat mir gemacht, wie Brand es immer wieder schaffte, die scheinbar alternativlosen und objektiven Kausalketten von Harris zu durchbrechen. Etwas hektisch manchmal, doch sehr sympathisch. Zwei Größen sind da aufeinander getroffen.

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