China Anziehungskraft im Kontext unseres Sicherheitsfetisch

Das Reich der Mittel (€)
China’s Dystopian Tech Could Be Contagious

Kai Strittmatter bietet @SZ einen Crashkurs im Verständnis dessen, was der Economist neulich Chinas „sharp power“ nannte – also die immer stärkere Beeinflussung des Westens mit einer Mischung aus Druck, Propaganda, Infiltration und Geld. Der Atlantic wiederum blickt auf das totalitär angelegte Scoring-/Überwachungs-System und das Interesse, das es gerade in den urbanen Zentren des Westens hervorrufen könnte:

„Genial – wenn man es so nennen kann – war von den Chinesen, dass sie das [aus dem Westen bekannte, joku] Kredit-Punktbewertungsverfahren als Werkzeug sozialer Disziplin zu seinem logischen Endzweck gebraucht und eine formal öffentlich-privatunternehmerische Partnerschaft daraus gemacht haben. Dieser Schritt dehnt die Herrschaft über die ganze Palette von Interaktionen aus, zu der jedes Mitglied einer modernen Gesellschaft im Zuge des Stils und der Struktur des gegenwärtigen Lebens quasi verpflichtet ist. (…) Ist [ein Bürger von den Sensoren des Systems, joku] erkannt, verspricht das System ein Urteil darüber, was einem Bürger erlaubt und nicht erlaubt ist – an Taten, Käufen oder Zugang. Und das ohne direkte Entschädigung, ohne Chance auf Einspruch und keine Stelle, die man für Hilfe aufsuchen könnte.“

Ein solches System ist bei uns noch nicht vorstellbar, aber in einzelnen Elementen wie Video- und Funkzellenüberwachung bereits vorhanden. Es wird in China ohne Zweifel erfolgreich sein, wenn man die „öffentliche Ordnung“ als Maß aller Dinge betrachtet. Und genau diese Fetischisierung von „Sicherheit“ findet gerade ebenfalls im Westen statt, vorangetrieben aus unterschiedlichen politischen Lagern.
Kombinieren wir das Primat der „Sicherheit“ mit dessen einfacheren Umsetzung in autokratischen Strukturen und der aus Peking gesteuerten Verschiebung des chinesischen Modells ins Overton-Fenster, landen wir schnell in einem Szenario, in dem eine Variation eines solchen Systems in derzeit demokratischen Ländern nicht unwahrscheinlich erscheint. Als Private-Public-Partnership würde es auch nicht jenen klassischen Formen staatlicher Überwachung entsprechen, bei denen sofort die Alarmglocken schrillen.

2 Gedanken zu „China Anziehungskraft im Kontext unseres Sicherheitsfetisch“

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