Wenn Ölfreunde die Umweltbehörde leiten

Accused of Clean Air Act violations, Shell agrees to $10 million of pollution controls in Norco

“Shell Chemical LP hat sich bereit erklärt, für 10 Millionen Dollar Ausrüstung zur Verschmutzungskontrolle in ihrer Chemiefabrik in Norco (Louisiana) zu installieren. Regulierungsbehörden hatten dem Energiegiganten in einer Klage vorgeworfen (…) Anwohner durch die illegale Nutzung von vier ihrer Anlagen zum Abfackeln von Gas seit mehr als zwei Jahrzehnten in Gefahr gebracht zu haben. Die neuen Kontrollen sollen jährlich 150 Tonnen Schadstoffe eliminieren. Shell wurde vorgeworfen, die Abfackel-Anlagen ohne ordentliche Genehmigung verändert zu haben. Die Änderungen sorgten für ‘einen signifikanten Anstieg von Emissionen’. (…) Teil der Einigung ist, dass Shell 350.000 Dollar Zivilstrafe zahlen wird. Davon werden 87.500 Dollar an das Umweltqualitätsbehöde von Louisiana gehen. (…) Die Klage hatte ursprünglich viel mehr gefordert: 302 Millionen Dollar bundesbehördliche Strafen und 251 Millionen Dollar für den Bundesstaat.”

Norco liegt nördlich von New Orleans am Mississippi. Das ist dort, wo der Radweg an einer Chemiefabrik endet, nachdem man schon an zahlreichen Chemiefabriken vorbeigefahren ist. Ich rekapituliere nochmal: Shell kümmert sich 20 Jahre nicht um Verschmutzungsregulierung. Zu den freigesetzten Giftstoffen gehören diverse Partikel, die im Zusammenhang mit Leukämie und weiblicher Unfruchtbarkeit stehen – die Gegend heißt im Volksmund „Cancer Alley“. Shell rüstet seine Anlage nach und zahlt 350 000 Dollar statt möglicher 500 Millionen Dollar (das nennt man dann wohl nicht „Einigung in der Mitte“).

Chef der Umweltbehörde ist Scott Pruitt, als Abgeordneter bereits ein enger Freund der Öl- und Gasindustrie. Er hat mit Justizminister Jeff Sessions in diesem Monat die Klage eingereicht, die Einigung kam prompt. Es ist ein guter Deal. Nicht für die Anwohner und die Umwelt oder das Gerechtigkeitsverständnis, sondern für Shell. Ich gehe davon aus, dass unter dieser Regierung gerade einige Firmen ihre Verstöße gegen das Umweltrecht mit solch vorteilhaften Vergleichen abwickeln.

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