Diese Tage

 Reaktionär für Jahrzehnte?

Es gibt diese Tage, an denen mir das hier drüben ganz schräg einfährt. So schräg, dass ich die Tage zu zählen beginne, die noch bis zu meiner Rückkehr vergehen. Der verlinkte Scotus-Rücktritt vom Mittwoch war einer davon. Weil er die Macht einer strukturellen Minderheit zementiert, durch fortgesetzte konzertierte Demokratiezerstörung, Manipulation und letztlich aus dem Motiv schlichter Gier, für der Präsident nur ein Symbol ist.

Natürlich gibt es in den USA immer die Chance auf Erneuerung. Aber eben auch ein kulturelles Gedächtnis, das die historischen Lehren vergisst, sobald etwas mal zehn Jahre her ist. Viele Kids, die jetzt aufwachsen, sind in Ordnung und politisch. Vielleicht kümmern sie sich auch um den Rest des Landes, sobald die eigenen Schäfchen im Trockenen sind (anders als die Baby Boomer). Aber wenn wir jetzt schon nicht mehr in Jahren, sondern in Jahrzehnten denken, die eine Korrektur benötigt… Mir fehlen leider Gelassenheit und Apathie, unser zivilisatorisches Geschehen einfach als das absurde Schauspiel wahrzunehmen, das es ist. Dann wäre ich zumindest gut unterhalten im Moment.

2 Gedanken zu „<span class='p-name'>Diese Tage</span>“

  1. Wo wir beide ja den Anfang gemeinsam erlebt haben und Trump jetzt zwar schon eine Weile im Amt ist, aber es ja auch immer eine Weile dauert, bis sich wirklich klar abzeichnet, was passiert (ist), mal eine Frage: Was denkst Du, wieviel hat Obama wirklich verändert in seinen Amtszeiten, wieviel „Change“ hat er gebracht?

  2. @Ben: Ich glaube, die Erneuerung war vor allem eine kulturelle (und da schließe ich, leider, das regressive Element aus dem der Trumpismus kam, mit ein, auch wenn das nicht Obamas Schuld war). Das Bewusstsein, dass die USA eine vielschichtige Nation sind und er ein perfekter Vertreter. Von einigen Dingen bleibt nicht viel, weil die qua republikanischer Blockade als präsidiale Erlasse ausgegeben wurden. Andere Entwicklungen wie die beginnende Isolation waren Folgen der imperialen Überdehnung im Irak.
    Ich glaube weiterhin, dass vieles anders gelaufen wäre, wenn die US-Regierung nach der Finanzkrise die Banken aufgebrochen und die Verantwortlichen angeklagt hätte (statt die Vertreter des Finanzwesens in Kabinett und Beraterstab zu holen). Aus heutiger Sicht betrachtet hätte er auch die Regulierung von Tech durch strengere Kartellauslegungen vorantreiben können, aber das waren halt seine Freunde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.