Instagram-Flops

(Nonstopflops, Instagram)

Teens Are Debating The News on Instagram

Flop-Accounts sind Instagram-Konten, die gemeinsam von mehreren Teenagern betrieben werden, um über alles Mögliche zu lästern und zu diskutieren. Was einmal eine Reaktion auf die Reality-Celebrity- und Influencer-Kultur gewesen zu sein scheint, ist inzwischen auch zum Ort für soziale Themen und soziales Verhalten geworden.

Seitdem der Atlantic vor ein paar Tagen darüber geschrieben hat, verfolge ich die Kultur ein bisschen. Faszinierend finde ich die Anpassung einer starren Plattform an die eigenen Bedürfnisse und den Wunsch nach Semi-Öffentlichkeit – also privates Social Media, das doch irgendwie wahrgenommen werden soll. Ein Zwischenraum zwischen dem Aufmerksamkeits-, Marketing- und Mobbing-Overkill der öffentlichen Systeme und dem privaten Sharing via Messenger-Gruppen. Irgendwo dort wird Social Media in der nächsten Entwicklungsstufe wahrscheinlich auch als Default landen, nicht nur wegen des neuen Facebook-Fokus auf Gruppen. Ich bin gespannt, wie das am Ende aussehen wird.

Flops werden kein Mainstream-Phänomen und bald von der nächsten Social-Media-Technik abgelöst, die dann ihrerseits schnell wieder abgelöst wird usw.. Aber was natürlich auffällt: Die Kommunikation schon so weit weg von den linearen/gethreadeten, funktionalen und kategorisierbaren Formen, die ich als jemand der Vor-vor-Generation kennt. Selbst mit den Instagram-Kernfunktionen hat sie eigentlich nur die Plattform gemeinsam, unter der sie als Subkultur agiert. Und die Kommunikation funktioniert völlig meme-isiert, durch die Kommentierung beinahe in einer eigenen Sprache, weil die Referenzrahmen für Außenstehende so komplex sind (was wahrscheinlich seit Anbeginn der Zeit, bis auf die Sache mit der Meme-isierung, jeder Erwachsene über Teenager-Dialoge gesagt hat).

Und dann gibt es noch diesen Absatz, der die vernetzte Aneignung von Wissen und das Crowdsourcing von Glaubwürdigkeit beschreibt und in dem eine große Veränderung steckt (ob in Richtung kritisches Bewusstsein oder Kollektivdenke, wird die Zeit zeigen):

„Was Teenager, die mit den Flop-Accounts interagieren verbindet, ist ein starkes Misstrauen gegenüber Nachrichtenmedien. Teenager sagen, dass sie auf die Flop-Accounts gekommen sind, weil sie nicht glaubten, was sie in den Medien lesen, im Fernsehen sehen oder sogar in ihrem Unterricht zur amerikanischen Geschichte beigebracht bekamen. Das sei so, so drückte es eine Teenager aus, weil ihr Lehrer nur eine Person ist, der seine Meinung vertritt. Teen-Administratoren von Flop-Accounts sagten genau wie die Follower, dass sie die Informationen auf Flopkonten sehr viel verlässlicher fanden, weil sie crowdgesourced und debattiert werden konnten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.