Diskursmodi

 Essay Diskussion um Integration: Linke in der Diskursfalle

In Chemnitz ist Schreckliches passiert. Zuerst die Tötung eines Menschen, mutmaßlich durch Asylbewerber. Und danach haben sich rechte Kräfte solidarisiert, sie sind mit offenem Visier marschiert, ungehemmt: AfD, Pegida und andere rechtsradikale Gruppen im Schulterschluss. Da waren sie nicht nur virtuell im Netz aktiv, sondern analog und real, lautstark und zu Tausenden. Zum Glück hatten viele den Impuls, sich dagegenzustellen!

Doch zugleich schnappt hier schnell die Diskursfalle zu. Zweifellos ist es richtig, sich schützend vor die Ziele rechter Angriffe zu stellen: vor Asylbewerber, Migranten, Muslime. Unschuldige müssen mit allen Mitteln verteidigt werden, auch und gerade von der Zivilgesellschaft. Doch Demokraten sollten auch nicht blind, taub und stumm sein im Angesicht veritabler Herausforderungen, Konflikte und Probleme, die mit Einwanderung und Integration einhergehen – und die ja keineswegs neu sind.

Muslim zu sein, Flüchtling zu sein ist weder irgendein Makel noch ein Grund dafür, besonders unter Schutz gestellt und von rechtlichen Regelungen ausgenommen zu werden.

Als Grundlage für den Diskursmodus stimme ich Ahmad Mansours (Gesamt-)Artikel zu, auch wenn die realen Haltungen mir nuancenreicher zu sein scheinen. Flüchtlings-/Fremdenfeindlichkeit und Integrationsablehnung von Einwanderern haben gemeinsam, dass man a) schwer bemessen kann, wie verbreitet sie sind und sie b) auf einem Spektrum existieren, auf dem die Gesellschaft an irgendeiner Stelle einen Stopp-Punkt setzen muss. Angesichts unserer Geschichte und der jüngeren Vergangenheit macht mir persönlich die Gefahr des exzessiven Nativismus mehr Sorgen; ich bin aber der Meinung, dass illiberale und hermetische Gruppen aller Art der Gesellschaft in der Regel mehr Probleme als Gewinn bringen. Das zu knacken und dabei nicht Einzelne aufgrund oberflächlicher Merkmale in solche Gruppen-Schubladen zu stecken, ist unsere Aufgabe.

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