Initiationsprozesse

Notes from Underground #1: Al Gore Didn’t Want You to Panic

„Menschen erleben eine Kollision mit dem Klimawandel, nicht als Krise, die gelöst oder angegangen werden kann, die verschwindet oder mit einem existierenden Bogen des Fortschritts in Einklang gebracht werden kann – sondern als düsteres Wissen, das unseren Weg infrage stellt. Wissen, das beginnt, die Dinge abzufackeln: Die Geschichten die uns erzählt wurden. Die Bahnen, denen unsere Leben eigentlich folgen sollten. Die uns zustehenden Ansprüche, an die wir zu glauben erzogen wurden. Unsere Annahmen über die Form der Geschichte, das Wesen der Welt, in die wir geboren wurden und unser Platz in ihr.

(…) Wenn diese Lesart der gegenwärtigen Prozesse halbwegs zutreffend ist, befinden wir uns in einem Territorium, in dem die Werkzeuge der Mythographie und Anthropologen uns mehr weiterhelfen als die klassische Ausrüstung der Kommunikation, der Kampagnen oder des Aktivismus. Ich kann keine andere Sprache für das finden, was gerade passiert, wenn ich nicht die Idee riskieren möchte, dass dies irgendeine Form von Initiationsprozess ist.“

Was Dougald Hine umreißt, hat Daniel Pinchbeck in „How Soon Is Now“ bereits ausführlicher beschrieben (allerdings liegt Hines „Dark Mountain Project“ bereits ein ähnliches Riff zugrunde). Und jeder Mensch, der eine spirituelle Ader hat und an Handlungsnotwendigkeit im Diesseits glaubt, erahnt natürlich: dass wir angesichts unserer Probleme ein planetarisches Bewusstsein entwickeln müssen.

Doch zugleich reden wir natürlich von Politik, und wenn diese ein religiöses Wesen annimmt, wird es in der Regel ungemütlich (und damit meine ich nicht, an welche Mythen und Mechanismen man glaubt, also ob ich die Welt aus der Perspektive eines Liberalen, Rechten, Linken, was auch immer sehe). Wir stecken ja bereits mittendrin in diesem Spannungsfeld, ohne dass sich freilich die zivilisatorische Dimension der Veränderung bereits vollständig vermessen ließe.

Siehe auch:
Der Platz der Religion
Identitätsmythen und das Vakuum unseres Fortschrittsbegriffs
Die Verwandlung
Hinter der nächsten Anhöhe

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