Ins Auge sehen

„Viele mächtigen Kräfte ermutigen uns, Wissen zu entwerten und sogar das Streben nach Wissen zu entwerten. In einem Zeitalter der Angst und des eindringenden Chaos wächst dieser Druck. Es ist mein Glaubensgrundsatz, dass jegliche Form von Bedeutung, die wir aus dem Leben zusammenklauben, darin liegt, unsere epistemologischen Horizonte so weit zu erweitern, wie wir es nur irgendwie können. Darin, dass wir den neuen Grenzen ins Auge sehen, auch wenn wir dabei zittern. Es ist das einzige Gegenmittel für die Kurzsichtigkeit der gelebten Erfahrung.“

 David Auerbach zitiere ich hier in einem separaten Blogeintrag, weil es eines der kraftvollsten Plädoyers für Aufklärung, Wissen und Wissenschaft als Lebensgrundsatz ist, den ich in der jüngeren Vergangenheit gelesen habe. Und bei der Übersetzung fällt mir auf, wie stark sich unsere deutschsprachige Vorstellung von Grenze (frontier) von der amerikanischen unterscheidet. Beziehungsweise, dass uns ein Wort für „frontier“ im Vergleich zur „border“ fehlt: Eine Linie, die wir überwinden können, die uns nicht an das Bisherige bindet.

2 Gedanken zu „Ins Auge sehen“

  1. Ich würde ja aus dem Bauch heraus glatt behaupten, das „Grenze“ gar nicht wirklich die passende Übersetzung für „Frontier“ ist. Frontier würde ich eher als das Gebiet jenseits der Grenze betrachten, auf jeden Fall eine lange nicht so klar definierte Fläche, wie die Border, in der das Alte / Bekannte und das Neue / Unbekannte zusammenlaufen. Ah, ja, das ist ja auch vielleicht nicht unwichtig dabei: Eine Grenze und eine Border trennen ja eigentlich eher zwei Bekannte Dinge voneinander ab, während die Frontier eher das noch Unbekannte oder zumindest Ungezähmte abgrenzt. To boldly go … und so. Und ja: Da sind wir im Deutschen ein weiteres Mal ärmer im Kopf.

  2. @Ben: Oder friedfertiger, Stichwort Front. Ist mir irgendwann nach Veröffentlichung so eingefallen (angesichts der deutschen Geschichte allerdings eher ein naja-Argument).

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