Viralität > Authentizität

Zwei Videos, die vergangene Woche viral gingen: Das obere ist sichtbar gespielt, ein erzählter Situationswitz. Das untere ist eine vermeintliche Panne – vermeintlich deshalb, weil ich davon ausgehe, dass der Reporter sich des Bildausschnitts bewusst war und grundsätzlich professionell genug ist, sich mit Hose ins nationale TV zu setzen. „Ohne Hose in der Homeoffice“ ist bei genauerem Hinsehen auch ein erzählter Situationswitz.

Spielt es eine Rolle, ob solche Videos authentisch oder inszeniert sind? Mein Eindruck ist, dass die Frage durch TikTok irrelevant geworden ist. In dem Sinne, dass Unterhaltsamkeit das Ziel ist und bei TikTok die Kamera fast nie zufällig filmt, sondern gezielt aufnimmt. Wettbewerb und Belohnungssystem der Aufmerksamkeitsökonomie tun ihr Übriges dazu, dass sich die Frage „Ist das authentisch“ auf die ernsteren Content-Gebiete (vgl. Falschnachrichten etc) beschränkt.

Vielleicht lässt sich das schlicht als Professionalisierung des Internet-Viral-Unterhaltungsbetriebs deuten, wie sie bei anderen Ecken von Social-Media wie der Influencersphäre längst stattgefunden hat. Irgendwann kommen wir wahrscheinlich bei einem Fazit an, wie wir es aus dem vorigen Zeitalter mit dem Satz „Ist halt Fernsehen“ kennen.

1 Gedanke zu „Viralität > Authentizität“

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