Die Rückkehr der Physik

Boomtown Follow-up: The One-Two Punch

Die fantastische Podcast-Serie „Boomtown“ dreht sich um Texas, Öl und Fracking. Und hat jetzt nach der Coronakrise eine weitere Episode bekommen. Sie dokumentiert den Preisverfall im Zuge der Coronakrise. Auch hier kommt wieder das Bild vor, das symbolischer nicht sein könnte: Öltanker, die angesichts voller Lagerkapazitäten an Land auf dem Meer Schleifen drehen müssen. Die Tanks sind voll, in wenigen Wochen weltweit. Die Rückkehr der Physik, wie die Fracking-Analystin Bethany McLean es so schön beschreibt: Öl wird vom Finanzinstrument, das über Verträge und Optionen virtuell gekauft und verkauft wird, für Investoren wieder zu einer physischen Sache. Und das sorgt für Panik und den „Ich-zahle-wenn-Du-mir-Öl-abnimmst“-Schock vom 20. April 2020.

Boomtown ist auch deshalb stark, weil es die Menschen einfühlsam porträtiert, die auf den westtexanischen Fracking-Feldern arbeiten. So auch hier: Ein Mitarbeiter erhält Anfang März eine Lohnerhöhung, die dann durch Krisen-Lohnkürzungen wieder rückgängig gemacht wird. Als er wenig später entlassen wird fragt er: „Wie viel Leute müssen gehen? Sechs oder sieben und ich habe es nicht reingeschafft?“ Die Antwort: Alle müssen gehen, außer sechs oder sieben.

Fracking ist eine der letzten Branchen, in der die aktuelle Form des amerikanischen Kapitalismus auf den ersten Blick noch funktioniert: Die Extraktion von massiven Profiten bei gleichzeitigem Trickle-Down auf die Mitarbeiter, die auf den Ölfeldern sehr gut verdienen und ihren sozialen Aufstieg finanzieren können. Zugleich ist Fracking eine gigantische Lüge, weitestgehend unprofitabel und als Branche derart überschuldet, dass ein möglicher Zusammenbruch in den vergangenen Jahren als erster Dominostein einer neuen Bankenkrise galt.

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