10 Jahre Bloggertramp

In diesen Tagen, aber vor zehn Jahren, war ich durch Europa unterwegs: Als trampender Blogger. Als Bloggertramp, wie die Seite damals hieß. In meinem Rucksack hatte ich einen kleinen Laptop, für die Fotos mein Android-Handy und getwittert für ein paar Hundert Follower wurde per SMS (Roamingkosten!). Mehr als zwei Dutzend Länder in ungefähr 28 Tagen. 

Das war der Rahmen, und wenn ich heute zurückdenke, gibt es zwei Ebenen. Einerseits die Veränderungen seit damals. Spätestens nach 2015 wäre so eine Tramper-Reise nicht mehr möglich gewesen. Und spätestens Corona dürfte der schrumpfenden Anhalterkultur den Todesstoß versetzt haben. Dabei gibt es sogar ein Wiki mit Infos, wo man an verschiedenen Orten am besten loskommt. Ein ganz fantastisches Kompendium, das mir damals sehr geholfen hat.

Die zweite Ebene ist persönlich: Die kurzen Treffen, die Zufallsbekanntschaften. Die Fahrt mit Paul zum Kirschenpflücken in den schottischen Highlands, sein kleines Haus in der Nähe des Meeres. E., der türkische Fernfahrer mit dem Doppelleben. Die freundlichen Couchsurfing-Menschen überall, ungezwungene Zwischenmenschlichkeit in einer Zeit vor Airbnb. Die ewige Wartezeit an der schwedischen Autobahn oder die polnischen Ansteh-Reihen für Anhalter (eine aus Zeiten des kalten Krieges übernommene Praxis). Der Sonnenaufgang in London, die Nacht im Hafen von Oslo oder in der Partyhölle vom Plattensee. Der“Into-The-Wild“-Soundtrack von Eddie Vedder, den ich klischeemäßig ungefähr 300 Mal durchgehört habe damals. Echt, ich übertreibe nicht. Seitdem übrigens nie wieder, irgendwie habe ich Angst, dass die Erinnerungen von damals dadurch von neuen überlagert werden könnten.

Und ich denke auch an das zurück, was ich damals nicht aufschrieb und was in dem Buch Platz gefunden hätte, das ich dann niemals schrieb. Persönliche Dinge. Oh, und ich erinnere mich natürlich besonders auch an Kleinigkeiten wie den Plausch mit den asiatischen Touristen, die mich vor dem Highlander-Schloss fotografiert haben (ich sehe aus wie eine Bloggertramp-Action-Figur)

Wenn ich heute ein bisschen querlese, erkenne ich ganz viel von mir. Von mir, wie ich damals war und wie ich einfach bin, tief drinnen. Den Blick auf bestimmte Details; die Perspektive auf das Leben und mich selbst, eine aus heutiger Sicht beneidenswerte Leichtigkeit und ein heiliger Unernst, der nahtlos in einen offenen Mund übergeht, der Staunen vor dem Wunder des Daseins ausdrückt. Und hey, die ein bisschen an Gary Larson angelehnten Bildunterschriften will ich auch erwähnen, die hatte ich ganz vergessen (leider sind einige Fotos beim Blog-Umzug verloren gegangen). 

Oder schlicht:

„I know I have the best of time and space – and that I was never measured, and never will be measured.“

Um wie in meinem damaligen Ankunftsbeitrag vom 11. September 2010 Walt Whitman zu zitieren.

Aber was heißt schon Ankommen?

 

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