Google und der Gau

Googles Covid-Kontaktverfolgungsprotokoll loggt sensible Daten in Android – genau dort, wo theoretisch vorinstallierte Apps Zugriff haben. Kurz: Aus Corona-Warn-App und anderen internationale Tracing-Apps sind über Monate Daten ins Betriebssystem abgeflossen. Und konnten theoretisch für das missbraucht werden, was eine dezentrale Kontaktverfolgung ausschließen sollte: Für einen detaillierten Social Graph, wer wem begegnet ist.

In einer besseren Welt, in der Technologie-Durchdringung nicht auf die Tech-Konzerne, einige Forschungseinrichtungen, eine überschaubare Zahl von Organisationen und Abteilungen verteilt wäre, würden nun die Alarmglocken angehen. Und sofort Untersuchungen/Ermittlungen eingeleitet werden. Denn eine Sicherheitslücke an einer so zentralen Stelle eines derart verbreiteten Systems, das sogar noch von Regierungen empfohlen wurde… eine Sicherheitslücke, die noch dazu nicht einmal nach einem Hinweis gefixt wird; dazu als Beteiligter Google, dessen Geschäftsmodell auf Tracking und Informationssammlung beruht… all das sollte sich nicht mit einem kleinen „Uuupsi, wir haben jetzt gepatcht“ abgetan werden können.

Aber in dieser idealen Welt leben wir nicht. Irgendwo zwischen gelebtem Neuland, Lamenti über das Neuland, Tech-Verklärung und reflexhafter Tech-Kritik, umrahmt von einer Digital-Alphabetisierung, die in der Regel nicht über die Bedienung des User Interface hinausgeht – irgendwo dort liegt die Erkenntnis, das es einfach vorne und hinten an Sachkenntnis, Einblicksmöglichkeiten und Fachrkräften fehlt und wir die Kontrolle abgegeben haben. Wahrscheinlich schon irgendwann in den späten Neunzigern. Die Abhängigkeit der Regierung von den Herstellern von iOS und Android bei der Kontaktverfolgung hat das symbolisiert, auch wenn sie unvermeidbar war. Ich befürchte, die Android-Logfiles zeigen, wie weit Kontrollverlust inzwischen geht. Interessiert uns das als Gesellschaft überhaupt?

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