Arthur Koestler

Arthur Koestler ist eine faszinierende Figur des 20. Jahrhunderts. Ich kann dieses Essay seines Freundes George Orwell und die Würdigung durch Tony Judt sehr empfehlen. Koestler, ein in Österreich aufgewachsener ungarischer Jude, wandelte sich Ende der 1930er vom überzeugten Marxisten zum noch überzeugteren Antikommunisten.

Sein Werk „Darkness At Noon“ (im Deutschen profan als „Sonnenfinsternis“ erschienen) von 1940 ist eine psychologische Studie der Stalinistischen Säuberungen. Er erzählt die Geschichte von Rubaschow: ein alter Bolschewik, von der Partei verhaftet, der er sein Leben gewidmet hat; für Verbrechen, die er nicht begangen hat. Rubaschow (der selbst zahlreiche Genossen ausgeliefert hat) versucht, diese Logik nachzuvollziehen, sich ihr anzupassen, um sein Schicksal zu akzeptieren. Und schließlich unterschreibt er das Geständnis.

Ihm gegenüber steht der junge Verhörleiter Gletkin, ein Produkt des Parteisystems. Rubaschow kennt noch eine Welt vor der Revolution, Gletkin ist jenseits der Parteiidentität ein (Zitat Orwell) „leeres Blatt Papier“, in seiner Funktion als Verhörender ein „denkendes Grammophon“.

Unsere Sympathieverteilung würde nun für Rubaschow Hoffnung haben, für Gletkin nicht. Aber so einfach ist es nicht. Zitat Orwell:

„The implication of Koestler’s book, however, is that Rubashov in power would be no better than Gletkin: or rather, only better in that his outlook is still partly pre-revolutionary. Revolution, Koestler seems to say, is a corrupting process. Really enter into the Revolution and you must end up as either Rubashov or Gletkin. It is not merely that ‘power corrupts’: so also do the ways of attaining power.“

Koestler wurde für sein Buch als Verräter denunziert. Was damals über Stalins Schauprozesse bekannt war, wurde von den westeuropäischen Marxisten nicht geglaubt oder schlicht ignoriert. Erst Jahre später zeigte sich, mit welcher Genauigkeit Koestler ins Schwarze getroffen hatte.

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