Der Testfall

„Am Ende wird man auf die Tests schauen wie auf die Masken: Die Politik brauchte ganz dringend große Mengen, es war Wildwest, viele Glücksritter und Betrüger drängten in den Markt und es gab keine vernünftige Kontrolle.“

So zitiert die Tagesschau einen hochrangigen Funktionär einer Kassenärztlichen Vereinigung zum Thema Coronatest-Betrug.

Vier Gedanken dazu:

(1) Ich befürchte, die Lehre aus der Sache wird sein: Unbürokratisch funktioniert es nicht. Das ist in einem völlig formalisierten Land wie Deutschland keine gute Lehre.

(2) In der Testverordnung selbst ist von der „notwendigen Auftrags- und Leistungsdokumentation“ die Rede. Und einer Speicherpflicht bis 2024. Insofern gibt es einen Ansatzpunkt, speziell im Zusammenhang mit der Steuer-ID und den dort angegebenen Einkaufskosten. Grundsätzlich könnte man die Erfassung bestimmter Daten in einer angepassten Testordnung neu regeln. Aber der Nachweis von bereits vollzogenen Betrugsfälle wird schwierig.

(3) Das Ganze wird auch Folgen für das politische Klima haben. Einfach, weil wir Deutschen Korrektheit für sehr wichtig halten. Das gilt trotz oder auch, wenn wir es im Einzelfall selbst nicht so genau nehmen. Der Eindruck politischer Schlamperei rund um die Corona-Krise wird bis weit in der Mitte der Gesellschaft haften bleiben.

(4) Eigentlich erstaunlich, dass die Betrugsmasche erst so spät herauskam. Gratulation an @SZ, NDR und WDR zur Recherche. Aber das Ganze hätte auch von anderen – angesichts der durchaus üppigen Vergütung von insgesamt 18 Euro vor allem – schon viel früher Recherche-Aktivitäten auslösen sollen. Dass offenbar Kapazitäten oder Interesse fehlten oder man nicht weit kam, macht mir wirklich Sorgen.

 

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