Cui Bono: WTF happend to Ken Jebsen? (Review)

„CUI BONO: WTF HAPPENED TO KEN JEBSEN?“ hörte sich eine Zeit lang wie der beste Podcast an, dem ich im deutschsprachigen Bereich je begegnet bin. Konkret während der ersten Folge: Die Collagen, der Sound, der Rhythmus, die Dramaturgie – all das fügt sich lückenlos zu einem Großwerk zusammen.

Am Ende, fünf Folgen später, hat der Podcast die selbst gesteckten hohen Erwartungen dennoch nicht ganz erfüllt. Die beiden Fragen „WTF happened to Ken Jebsen?“ und „Cui Bono?“, also „wem nutzt es“, werden unterschiedlich überzeugend beantwortet.

Das „WTF happened?“ wird am besten nachgezeichnet, vor allem durch die Gespräche mit Wegbegleitern aus der Frühphase. Sendungsbewusstsein, ein völlig übersteuerter Geltungsdrang und eine fortgesetzte Selbstradikalisierung können aus einem RBB-Moderator einen Schwurbler machen, so legt das Werk nahe. Das Motiv Opportunismus, das ich in solchen Kontexten auch erwarten würde, kommt nur am Rande vor.

Die Antwort auf die Frage „Cui bono?“ bleibt vage. Ja, die Finanzierung ist intransparent. Ja, es gab offenbar Versuche, auf der Krim irgendwelche (Immobilien-)Geschäfte zu machen. Ja, es gibt offenbar Verbindungen nach Russland, inklusive einer problematischen Desinformationsfigur. Und dennoch bleiben stärkere Indizien aus, die Darstellung KJs als „nützlicher Idiot“ soll das etwas abfedern.

Handwerklich vorzuwerfen ist das den Macherinnen und Machern nicht: Manchmal führen Recherchen eben nicht zu einem eindeutigen Ergebnis. Allerdings war eine Antwort auf „Cui bono?“ ständig angeteast, so habe ich es zumindest verstanden.

Der Podcast endet deshalb in einem epistemischen Graubereich, die Zuhörerschaft muss für sich selbst die Frage beantworten: Würde man es KJ zutrauen, finanziell aus dem Ausland oder von interessierter Seite gesteuert zu werden? Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieses „für möglich halten“ auch der Erkenntnisbereich ist, in dem Verschwörungstheoretiker ihre Ware anbieten. So bleibt die nachgezeichnete Selbstradikalisierung der eindeutig stärkere Part.

Was nichts daran ändert, dass Projektehrgeiz, Akribie und Produktion nicht nur hohen Maßstäben genügen, sondern sie für serielle Podcasts in Deutschland teils sogar setzen.

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