Bewaffneter Frieden

Ich hatte mal ein Abo für das Economist-Archiv seit 1842. Nerdy, ich weiß, aber es war natürlich ziemlich interessant zu lesen, wie der Economist Bismarck oder die russische Revolution oder den Aufstieg Hitlers bewertet. Und welche Anzeichen man für geschichtsträchtige Entwicklungen erkannte und welche man übersah oder falsch gewichtete.

Ich habe mal in den alten pdfs nachgeguckt und den Artikel „Armed Peace in Europe“ aus dem Sommer 1909 hervorgezogen. Dort wird geschildert, wer in Europa gerade alles mit wem im Clinch liegt, welche territorialen und kolonialen Fragen ungeklärt sind und was das bedeutet – die Botschaft lautete ungefähr: Im Moment gibt es keine Gefahr, dass die Lage explodiert, aber mittelfristig sieht es anders aus.

Ich habe den Artikel deshalb herausgesucht, weil mich neulich dieses Economist-Briefing über die Lage im Indopazifik sehr daran erinnert hat. Territoriale Konflikte, militärische Aufrüstung, strategische Bewegungen, vorausblickende Bündnispolitik – all das bestimmt dort nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart. Nun gibt es ja schon länger dieses (umstrittene) Gegenwartsanalysten-Meme, das wir durch den amerikanischen Abstieg und Chinas Aufstieg auf ein „neues 1914“ zubewegen. Das aber nicht alle für seriös halten. Aber  das Deja-vu beim Lesen des Artikels war für mich schon… beachtlich.

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