Alexander Kluge

Mit Alexander Kluge verbinde ich immer Sonntagabende meiner Vor-Teenagerzeit: Ich, auf das Spätwerk von Monty Python’s Flying Circus im Hessischen Rundfunk wartend, aber nach dem Umschalten auf Sat. 1 (?) zu seiner Interview-Reihe rätselnd vor dem TV sitzend und sich fragend, was das soll (den Ausdruck WTF gab es damals noch nicht). Sagen wir es so: Obwohl es ja in gewissen Kreisen als Zeichen von Intellektualität gilt, Kluge zu bewundern (weil das ja einschließt, dass man seinen Referenzrahmen versteht), ist ihm nicht immer leicht zu folgen.

Im (meist sehr empfehlenswerten) Podcast „Future Histories“ sagt Kluge Sachen wie „Wenn wir hier beide sitzen, dann sitzt ja bei Ihnen und mir auch der Vogel. Der Professor Josef Vogl, der sitzt ja in Princeton, weit weg von uns, also in einer anderen Tageszeit. Sehen Sie mal: Aber der sitzt in unseren Köpfen auch.“ Was natürlich für Außenstehende etwas irre klingt, aber womit geklärt wäre, mit wem Kluge damals im TV diese rätselhaften Dialoge führte.

Was ich an Kluge mag: Dass in seinen Assoziationen die Überzeugung steckt, dass Sinnfindung in diesem ganzen aufgetürmten Gewesenen möglich ist. Ein fröhlicher Bricoleur, beinahe religiös von einer Welt beseelt, in der ein man nur die richtigen Bruchstücke aus den Trümmerhaufen ziehen muss, um eine ganze Zivilisation weiterzubauen.

(Crossposting aus meinen Notizen)

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